Wirtschaft in Afrika: Gute Geschäfte statt gut gemeinter Hilfe

Wirtschaft in Afrika: Gute Geschäfte statt gut gemeinter Hilfe

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Die Wirtschaft in Afrika entwickelt sich überdurchschnittlich. Deutsche Unternehmen engagieren sich aber zu zögerlich auf dem Nachbarkontinent. Oft verwechseln sie Geschäftschancen und Entwicklungshilfe. Von Dirk Heilmann

Wie sehr der Umgang vieler deutscher Geschäftsleute mit Afrikanern noch immer von einer gönnerhaften Attitüde bestimmt ist, zeigte Mitte September eine Afrika-Konferenz in Stuttgart. Nach einer einleitenden Diskussionsrunde, in der Afrika-Kenner die wirtschaftlichen Chancen südlich der Sahara priesen und afrikanische Wirtschaftsvertreter um Partnerschaften mit deutschen Firmen warben, legten die folgenden Redner einestark paternalistische Haltung an den Tag. Teils mitleidig, teils belehrend zählten sie den versammelten Ministern, Botschaftern und Managern aus Afrika die Defizite ihres Kontinents auf. Und im Anschluss formulierten sie wohlgemeinte Vorschläge für Hilfsprogramme.

Wirtschaft in Afrika entwickelt sich

Dabei war es nicht Hilfe, die die afrikanischen Gäste suchten, sondern Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe. Das Wirtschaftswachstum Afrikas liegt seit vielen Jahren deutlich über der globalen Wachstumsrate. Eine neue Generation von Führungskräften hat sich inden Regierungen und den Unternehmen zudem in vielen Staaten Afrikas durchgesetzt. Diese Generation wurde oft an europäischen und US-amerikanischen Universitäten ausgebildet. Sie steht für Demokratie, Transparenz und offene Märkte ein. Gleichzeitig entstammt sie den neuen afrikanischen Mittelschichten, die auf mehr als 300 Millionen Menschen geschätzt werden. Sie ist keineswegs schon überall am Ruder. Aber der Wandel ist im Gange.

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Afrikas Wirtschaft wird nicht mehr allein von Rohstoffen, Infrastrukturprojekten und Entwicklungshilfe bestimmt. Das volle Programm der deutschen Industrie von Maschinen über Autos bis zu Konsumgütern ist hier gefragt. Bisher nutzen jedoch nur relativ wenige Unternehmen die Chancen. Nur ein paar Tausend deutsche Firmen sind in Afrika aktiv. Obwohl Afrika einen Anteil von 15 Prozent an der Weltbevölkerung und vier Prozent am Welthandel hat, gehen nur zwei Prozent der deutschen Exporte dorthin. Das Handelsvolumen mit ganz Afrika liegt noch unterhalb dessen, das die deutsche Wirtschaft allein mit Spanien abwickelt.

HRI-Umfrage zu Wirtschaf in Afrika

Die Erfahrungen deutscher Unternehmen in Afrika hat jetzt das Handelsblatt Research Institute in einer gründlichen Umfrage und vielen Experteninterviews zusammen mit KPMG erforscht. Die Studie zeigt: Zwei von drei Unternehmen bezeichnen ihr Engagement in Afrika als Erfolg. Je länger und je intensiver sie in Afrika tätig sind, desto besser laufen die Geschäfte. Wer seine Nische in einem afrikanischen Land findet, erzielt wegen der geringeren Konkurrenz oft hohe Renditen.

Als Erfolgsfaktoren erwiesen sich die Gründung eigener Niederlassungen vor Ort und Partnerschaften mit lokalen Unternehmen. Afrikanische Privatunternehmen sind generell geeignetere Partner als staatliche Unternehmen oder Regierungen. Dies gilt auch für die Anfälligkeit für Korruption. Geduld zahlt sich in jedem Fall aus. Wer nicht in den Aufbau langfristiger, auch privater Beziehungen investiert, wird nicht weit kommen.

Ganz Afrika wird interessant für deutsche Unternehmen

Lange Zeit gingen deutsche Unternehmen wenn überhaupt zunächst nach Südafrika und versuchten von dort die ganze Region südlich der Sahara abzudecken. Doch immer häufiger entdecken sie die Vielfalt des Kontinents mit seinen 54 Staaten. Neue Wachstumszentren entstehen besonders im einwohnerreichen Nigeria. Aber auch Kenia und die angrenzenden Staaten im Osten und Länder wie Ghana, Äthiopien, Angola oder Mosambik.

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Sechs der zehn am stärksten wachsenden Staaten der Welt kommen aktuell aus Afrika. Subsahara-Afrika wird in den nächsten Jahren nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds um 6,5 Prozent im Jahrwachsen. Selbstverständlich geschieht das von einem niedrigen Niveau aus. Aber die Voraussetzungen dafür, dass Afrika diesmal auf einem nachhaltigen Wachstumspfad Tritt fasst, sind gut. Die Regierungsführung hat sich in vielen Ländern verbessert. Bescheidener Wohlstand macht sich in vielen Städten breit. Millionen von Menschen bekommen erstmals Zugang zu Strom, sauberem Wasser und Mobilfunk.

Wirtschaft in Afrika bleibt aber fragil

Es ist aber auch vor einer naiven Afrika-Begeisterung zu warnen. Die Ebola-Seuche zeigt, wie unzureichend die öffentliche Infrastruktur und wie brüchig die staatliche Ordnung oft noch sind. Deutsche Afrika-Investoren kennen die Probleme wie Korruption, Rechtsunsicherheit und mangelnde Berufsausbildung. Sie erwarten nicht, dass Afrika in den nächsten 20 Jahren den gleichen Erfolgsweg gehen wird wie China und Südostasien in den vergangenen 20 Jahren.

Aber sie analysieren Land für Land die Aussichten und nutzen die zweifellos vorhandenen Chancen auf dem Nachbarkontinent. Wer nur die Risiken sieht, wird keine neuen Märkte erobern. Das war auch in China so. Es wäre eine Schande, wenn die deutsche Wirtschaft den womöglich wachstumsstärksten Kontinent der nächsten Jahrzehnte der Konkurrenz aus China oder den USA überlassen würde.

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