DER CHEFÖKONOM vom 14. Februar 2020 – Leseprobe

Der Newsletter „Der Chefökonom“ von Professor Bert Rürup: Ab März wird er kostenpflichtig

Die Themen:

  • Deutsche Angst.
  • Europäische Gegenmacht.
  • Chinesische Infektion.

Schlechte Wachstumszahlen:

Die deutsche Volkswirtschaft ist im Schlussquartal 2019 – entgegen erster Aussagen des Statistischen Bundesamts – nicht gewachsen. Denn heute Morgen meldete die Statistikbehörde, dass das Bruttoinlandsprodukt in den Monaten Oktober bis Dezember stagnierte.

Da jedoch die Wirtschaft im dritten Quartal etwas stärker als bislang gedacht zugelegt hat, änderte sich an der Wachstumsrate für das Gesamtjahr nichts: Sie bleibt bei 0,6 Prozent.

Zum Jahresende war die Binnennachfrage weiterhin intakt, auch wenn die Dynamik des Konsums abnahm. Zudem wurde deutlich weniger in Ausrüstungen investiert. Auch der Außenhandel dämpfte, da die Importe anstiegen, während die Exporte geringer ausfielen als noch im dritten Quartal.

Das ist zwar alles andere als ein schönes Ergebnis – doch es hätte wohl noch schlimmer kommen können. Freilich darf man gespannt sein, was der Corona-Virus mit dem deutschen Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal macht.

Corona-Virus belastet die Wirtschaft

Allerdings verspricht der Jahresstart 2020 alles andere als Besserung. Im Dezember brachen die Aufträge der Industrie regelrecht ein. Zudem breitete sich in China der Corona-Virus ungebremst aus. Mittlerweile sind weit mehr als 1.300 Menschen an dieser Lungenkrankheit gestorben, der allergrößte Teil davon freilich in China.

Welche Bremsspuren die Epidemie in der deutschen Wirtschaft hinterlassen wird, weiß bis zur Stunde niemand.

Klar ist bislang nur:

  • Die Anzahl der Erkrankungen steigt weiter,
  • die Lufthansa hat ihre China-Flüge ausgesetzt,
  • in einigen chinesischen Metropolen ist das Alltagsleben zum Stillstand gekommen,
  • die Produktion in vielen Werken der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ruht,
  • und die Autoverkäufe auf dem riesigen Absatzmarkt brechen ein.

Und womöglich gehen der deutschen Wirtschaft bald die aus China bezogenen Vorprodukte aus.

Das Bild zeigt den Abopreis für die Premium-Version von DER CHEFÖKONOM, dem Newsletter von Prof. Dr. Bert Rürup.
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Die CDU ist handlungsunfähig

Überdies löste Annegret Kramp-Karrenbauer diese Woche mit ihrer Ankündigung, vom Amt des CDU-Vorsitz zurücktreten zu wollen, faktisch eine Regierungskrise aus – mal wieder, muss man wohl sagen.

Im Moment ist die CDU handlungsunfähig. Sie hat

  • eine sprichwörtliche Lame Duck an der Parteispitze,
  • eine Kanzlerin, die bald – aber nicht zu bald – nicht mehr Kanzlerin sein möchte,
  • bislang drei Kandidaten, die AKK gerne von ihrer Last befreien würden, und
  • als Union mit der CSU womöglich vier Kandidaten, die Angela Merkels Erbe antreten möchten.

Die wichtigste Mission des neuen CDU-Chefs beziehungsweise eines Kanzlerkandidaten der Union lautet: Alles dafür zu tun, dass die Unionsparteien bei der nächsten Bundestagswahl stärkste Kraft bleiben und ihnen die Schmach erspart bleibt, das Grünen-Duo Baerbock/Habeck als Juniorpartner erdulden zu müssen.

Sobald klar ist, wen die Union dafür ins Rennen schickt, beginnt der Wahlkampf. Die Zeit des Regierens ist dann endgültig vorbei.

Auf welchen Spitzenkandidaten ich tippe, können Sie in meinem Wochenrückblick „Seit 2013 geht die Lohnungleichheit zurück“ lesen.

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Der Podcast mit Sigmar Gabriel und Bert Rürup

Leichtes Spiel für Rechtsradikale

In unserem wöchentlichen Podcast habe ich mit Sigmar Gabriel diskutiert, warum die rechtsradikale Partei AfD ausgerechnet in Ostdeutschland so stark ist? Wie von Lesern gewünscht, nennen wir hier schon mal vier unserer Thesen:  

  • Der Zulauf für die AfD ist ein Reflex auf Fehler, die bei der Vereinigung gemacht worden sind.
  • Im Zuge der Vereinigung wurde in Ostdeutschland alles auf den Kopf gestellt, was zuvor als richtig galt. Und das hat Spuren hinterlassen.
  • Ökonomisch sind die neuen Länder viele Jahre zum Experimentierfeld für niedrige und schlechte Löhne gemacht worden.
  • Wenn künftig die Altersarmut zunehmen wird, dann besonders in Ostdeutschland.

HÖREN SIE MAL IN DEN PODCAST HINEIN.

Das Bild zeigt eine Grafik der Woche. Diese bietet DER CHEFÖKONOM in seinem Shop an.
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Europäische Gegenmacht zu den USA und China

An dieser Stelle möchte ich Sie auf unser neues Partner-Institut „Global Challenges“ aufmerksam machen. Es ist eine Marke der DvH Medien, zu der auch die Handelsblatt Media Group (HMG) gehört. „Global Challenges“ möchte die Diskussion geopolitischer Themen voranbringen – unter anderem donnerstags im Handelsblatt mit Texten hochrangiger Experten. Da der Auftaktbeitrag „Der hohe Preis nationaler Souveränität“ von mir stammt, möchte ich Ihnen diesen Text nicht vorenthalten.

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Chinesische Infektion trifft Wirtschaft und Politik

Das Politbüro hat zum Kampf gegen Corona aufgerufen. Unklar ist noch, wie stark der Virus Chinas Wirtschaft infizieren wird. Klar ist für den renommierten China-Experten Frank Sieren: Die ökonomischen Risiken der Epidemie reichen weit über die Volksrepublik hinaus. Dennoch dürften die Gefahren alles in allem beherrschbar bleiben.

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Wissen für Unternehmer

Bis zu 3,8 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als den Mindestlohn, zeigt eine DIW-Analyse. Um dies zu ändern, plädieren die DIW-Forscher für eine strengere Arbeitszeiterfassung. Handelsblatt-Redakteur Frank Specht verweist in diesem Zusammenhang treffend auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) in einem spanischen Fall.

Danach müssen Arbeitgeber ein System einrichten, mit dem für jeden Arbeitnehmer die täglich geleistete Arbeitszeit objektiv und zuverlässig erfasst werden kann. In Deutschland ist dies bislang nicht der Fall. Hier müssen nur Überstunden dokumentiert werden.

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Deutsche Angst vor dem Abstieg

Viele Bundesbürger sind verunsichert, obwohl die Arbeitslosigkeit gering ist, die Flüchtlingszahlen gesunken sind und Deutschland einen jahrelangen Aufschwung erlebt hat. In unserer Grafik der Woche zeigt mein Kollege Marius Prauß, wie sehr das Gefühl des Kontrollverlusts sowie Zweifel an Wirtschaftspolitik und Globalisierung verbreitet sind.

Das Bild zeigt eine Studie "Masterplan 2030", die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bert Rürup, dem Macher von DER CHEFÖKONOM, entstanden ist.
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In eigener Sache

Zudem darf ich Sie noch daran erinnern, dass der „Chefökonom“ ab dem 6. März kostenpflichtig wird. Als Reaktion auf unsere Ankündigung in der Vorwoche haben wir eine Reihe aufmunternder Zuschriften erhalten. Etwa: „Prägnant und gut.“ Oder: „Wie immer lehrreich.“

Eine Zuschrift jedoch war ein wenig traurig: „Sehr schade, dass schon wieder eine beliebte Informationsquelle hinter der Bezahlschranke verschwindet.“

Diesem Leser möchte ich antworten: Qualität hat ihren Wert. Und der Preis für unsere exklusiven Informationen, Ideen, Einblicke und Einordnungen ist wahrlich nicht hoch.

Für Ihr Vertrauen und Ihre Treue bedanke ich mich herzlich und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Professor Dr. Dr. h.c. Bert Rürup
Präsident HRI und Chefökonom des HANDELSBLATT                     

Mit welchen Erwartungen blicken Sie in das Jahr 2020? Schreiben Sie mir Ihre Einschätzung an chefoekonom@handelsblatt-research.com

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