Aufbau Ost: „Hingehen, wo es stinkt“

Aufbau Ost: „Hingehen, wo es stinkt“

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Audio: Ein Drei-Punkte-Plan gegen Rechtsradikalismus in Ostdeutschland. Von Sigmar Gabriel.

Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundesaußenminister, legt einen Drei-Punkte-Plan für den Aufbau Ost vor.

Der Aufbau Ost stockt. Die rechtsradikale Partei AfD ist deshalb ausgerechnet in Ostdeutschland besonders stark. Sigmar Gabriel und Bert Rürup stellen fest:  

  • Der Zulauf für die AfD ist ein Reflex auf Fehler, die die Politik bei der Vereinigung gemacht hat.
  • In Ostdeutschland wurde alles auf den Kopf gestellt, was bisher als richtig galt. Und das hat Spuren hinterlassen.
  • Ökonomisch ist Ostdeutschland über Jahrzehnte zum Experimentierfeld für niedrige und schlechte Löhne gemacht worden.
  • Wenn es künftig Altersarmut unter Rentnern gibt, dann besonders in Ostdeutschland.

Hörprobe: So geht der Aufbau Ost

Sigmar Gabriel: Ein Drei-Punkte-Plan für Ostdeutschland

1. Viel Geld investieren, um Dörfer, Gemeinden und kleine Städte zu erhalten. Damit Daseinsvorsorge weiter existiert. Um zu verhindern, dass auch noch der letzte Bus eingestellt wird.

Der ländliche Raum wird völlig vergessen und verfällt, und man hat da keine Zukunft mehr. Ich würde in die Gemeinschaften der kleinen Städte, auch der größeren, investieren. Ich glaube, unsere Welt braucht so etwas wie funktionierende Heimat.

Verwahrloste Städte und Gemeinden produzieren in der Regel verwahrloste Köpfe.

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2. In die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands investieren, aber auch in Forschung und Entwicklung, in Bildung. In Ostdeutschland ist das besonders wichtig.

3. Parteien und Politiker müssen sich wieder die Mühe geben, dahin zu gehen, wo es stinkt. Wo es Ärger gibt, wo Lärm ist, denn da ist das Leben. Sich auseinander zu setzen, auch dahin zu gehen, wo die Dinge unangenehm sind. Wo man am liebsten weghören will, dem nicht auszuweichen und den Menschen zu signalisieren, dass wir sie ernst nehmen.

Wir beschäftigen uns zu sehr mit uns selber, aber auch mit sozialen Medien. Manchmal staune ich ja, welchen Blödsinn manche im Internet für wichtig halten. Die Zeit, die sie damit verbringen, wäre besser genutzt, wenn sie zu Hause zur Feuerwehr, zum Sportverein, in den Kindergarten, in den Betrieb oder zur Schule gehen.

Der Chefökonom

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