Corona-Impfstoff: Hopp gegen Trumps „Schnapsidee“

Corona-Impfstoff: Hopp gegen Trumps „Schnapsidee“

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Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff geht weiter. Trump hat ihn verloren, doch die Forscher haben ihn noch nicht gewonnen. Handelsblatt-Experte Bernd Fröndhoff erklärt im Video, warum die Deutschen vorne mit dabei sind. Und warum das alles so lange dauert.

Das Bild zeigt alle mit dem Corona-Virus infizierten Personen in ausgewählten Europäischen Ländern. Ein Corona-Impfstoff steht bisher noch nicht zur Verfügung. Die Daten stammen von der WHO.
Das Corona-Virus in Europa, Stand: 16. März 2020. Quelle: WHO

Gegen das Corona-Virus sind mindestens 40 Impfstoffprojekte angelaufen, stellt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen fest. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zähle derzeit 35. Dazu kämen ein bei der WHO noch nicht verzeichnetes Projekt des deutschen Unternehmens BioNTech.

Der Verband nennt überdies zusätzlich zwei Projekte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) sowie das Projekt eines vom schwedischen Karolinska-Institut geführten Konsortiums „Opencorona“, zu dem auch die Universität Gießen gehört.

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Mehrere dieser Impfstoffprojekte werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt. Dazu zählt auch das Projekt des deutschen Unternehmens CureVac, das in den vergangenen Tagen für besondere Schlagzeilen sorgte.

Je schneller ein Impfstoff vorliegt, um so rascher könnte sich das Leben in der Welt wieder normalisieren. Deshalb ist die Jagd nach einem Impfstoff ein zentrales Thema für alle Akteure in Unternehmen, Banken und Finanzmärkten.

Angeblich hat US-Präsident Donald Trump ein Milliardenangebot für das deutsche Unternehmen gemacht. Handelsblatt-Redakteur Bernd Fröndhoff hat den Hintergrund recherchiert.

Im Handelsblatt-Video erklärt er, CureVac sei sicherlich eines der attraktivsten deutschen Biotech-Unternehmen und überhaupt einer der attraktivsten Impfstoffe-Entwickler weltweit. Das sehe man auch daran, dass in den letzten Jahren zahlreiche namhafte Investoren dort eingestiegen sind, beispielsweise die Stiftung von Bill und Melinda Gates.

Trump greift nach Corona-Impfstoff

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CureVac verfüge über eine gute Technologie, die jetzt gerade bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona eine große Rolle spielt. Anfang März war die Firma mit anderen Unternehmen der Branche ins Weiße Haus eingeladen worden. Bei diesem Round-Table-Gespräch war auch US-Präsident Donald Trump dabei.

„Und offenbar ist der Präsident dann in seiner üblichen Art anschließend auf die Idee gekommen, an die Firma heranzutreten“, berichtet der Handelsblatt-Redakteur. „Er hat vorgeschlagen, ob man sich das gesamte Unternehmen nicht kaufen könnte.“

Geht das überhaupt? Theoretisch wäre das zwar denkbar, doch es wäre „wirklich ungewöhnlich“, urteilt Fröndhoff. Es sei erst mal insgesamt in der Pharmaindustrie unüblich, dass so etwas gemacht wird, weil die Mittel weltweit vermarktet werden.

Die US-Zulassungsbehörde FDA habe zwar eine führende Rolle bei dem Zulassungsprozess für neue Medikamente. Aber in der Regel stellen die Entwickler Anträge für neue Medikamente gleichzeitig in den verschiedensten Regionen der Welt. „Es ist und wäre eine Schnapsidee, dass so etwas nur auf die USA beschränkt werden könnte“, urteilt der Pharmaexperte des Handelsblatt.

Hat dann das Land, in dem die Firma den Impfstoff erfunden hat, wirklich Vorteile? In diesem Fall Deutschland?

Hopp verweigert exklusives Zugriffsrecht

Davon geht Fröndhoff nicht aus. Für die Firma sei es natürlich ein gutes Geschäft. Doch wenn ein Impfstoff da ist, werde dieser möglichst schnell in allen Regionen der Welt zur Verfügung gestellt. In diese Richtung habe sich sich ja auch der CureVac-Eigner Dietmar Hopp geäußert.

Die Firma ist Teil eines zentralen Investments des Milliardärs Hopp, der das Softwareunternehmen SAP gegründet hat und auch als Mäzen des Bundesliga-Vereins TSG Hoffenheim bekannt ist.

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Seine Biotech Holding ist an mehreren Firmen beteiligt. CureVac ist eines der attraktivsten Unternehmen in dieser Holding.

„Ich würde Dietmar Hopp so einschätzen, dass er persönlich auch wirklich ein moralisches Interesse daran hat, dass dieses Mittel komplett in der Welt verfügbar sein wird“, sagt Fröndhoff. „Das hat er klar gesagt.“ Wenn es aus dem Labor von CureVac ein Mittel gibt, dann werde er das nicht nur in bestimmten Regionen zur Verfügung stellen, sondern weltweit.

Corona-Impfstoff geht an alle

CureVac verfügt nach eigenen Angaben über eine lange und umfassende Produktionserfahrung. Das Unternehmen aus Tübingen produziert seit 2006 Impfstoffe und Therapeutika. Derzeit arbeitet es daran, seine Produktionskapazitäten auszubauen, um „bis zu Milliarden von Dosen für Pandemie-Situationen wie Covid-19 bereitstellen zu können“.

Das deutsche Pharmaunternehmen bekommt von der EU Kredite von bis zu 80 Millionen Euro, heißt es in Presseberichten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich persönlich zu dieser Kreditzusage.

„In dieser Krise der öffentlichen Gesundheit ist es von größter Bedeutung, dass wir unsere führenden Forscher und Technologieunternehmen unterstützen“, sagte die Präsidentin der EU-Kommission. „Wir sind entschlossen, CureVac mit der notwendigen Finanzierung zu versorgen, um die Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Coronavirus rasch zu beschleunigen.“

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Bis Ärzte einen Impfstoff gegen das Corona-Virus einsetzen können, dürfte es noch viele Monate dauern.

Impfstoff kommt frühestens am Jahresende

„Man kann davon ausgehen, dass alle das möglichst schnell machen wollen“, urteilt Experte Fröndhoff. Die Behörden werden es sehr stark beschleunigen, an Bürokratie sollte es nicht scheitern.

„Aber dennoch ist es ein Prozess, den man nicht in vier Wochen machen kann. Das dauert sechs bis acht Monate, bis man da valide etwas sagen kann. Ob das Mittel wirkt und ob es nicht so starke Nebenwirkungen hat, die dann wiederum die Leute beeinträchtigen.“

Deswegen könne man davon ausgehen, dass frühestens zum Jahresende ein Corona-Impfstoff vorliegen wird.

Mehr zur Corona-Epidemie

Informationen zu den Zahlen der Corona-Epidemie weltweit gibt es im Dash-Board der WHO. Die Fallzahlen in Deutschland aktualisiert das Robert Koch Institut (RKI) in regelmäßigen Abständen.

In einem Handelsblatt-Artikel erläutern Bernd Fröndhoff und seine Kollegen die deutsche Biotech-Landschaft, die wegen der Jagd nach einem Corona-Impfstoff nun im Fokus steht.

Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff: Das Video
Jagd nach dem Corona-Impfstoff: Hier gibt es das Video zum Thema
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