Branchenanalyse: Wie wirkt die Corona-Krise auf einzelne Wirtschaftszweige?

Branchenanalyse: Wie wirkt die Corona-Krise auf einzelne Wirtschaftszweige?

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Wie dramatisch sich die Corona-Krise in wichtigen Sektoren der deutschen Wirtschaft auswirkt, haben die Analysten des Handelsblatt Research Institute (HRI) in ihrer aktuellen Branchenanalyse zusammengetragen. Die HRI-Experten betrachten in diesem Branchendossier Handel (Lebensmittel, Online, Elektronik), Maschinenbau, Gastgewerbe, Ernährung und Getränke, Fahrzeuge, Transport und Logistik, Medien, Informations- und Kommunikationstechnologie, Bau, Chemie, Medizin und Pharma. (Stand: 27. März 2020)

Das Bild zeigt die Ergebnisse der Ifo-Konjunkturumfrage. Sie bietet einen wichtigen Baustein für die Branchenanalyse.

Inhaltsverzeichnis

Gastgewerbe leidet besonders stark

Restaurants, Gaststätten und Hotels sind von der Corona-Krise besonders stark betroffen. Alleine im Gastronomie-Segment sind vom Shutdown über 120.000 Betriebe betroffen. Mit Maredo musste diese Woche nach Vapiano sogar bereits die zweite große Restaurantkette Insolvenz anmelden.

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Weil viele Unternehmen der Branche finanziell schwach aufgestellt sind, befürchten Branchenexperten eine Pleitewelle. Die Verbände fordern daher einen eigenen Schutzschirm von der Bundesregierung.

Keine Ausnahme, sondern eher die Regel, wie die Autoren dieses Branchendossiers feststellen: Sabine Haupt, Frank Heide, Dr. Frank May, Fabian Ritters, Thomas Schmitt, Prof. Dr. Jochen Wicher, Martin Wocher und Barbara Bublik (Head of Sector Analysis).

Branchenanalyse Einzelhandel: Kundenaufkommen bricht ein

Bund und Länder haben drastische Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, die bis zu Ausgangssperren in den ersten Bundesländern reichen. Geschäfte, die nicht der Grundversorgung von Menschen dienen, müssen schließen.

Und das bis mindestens Mitte April, womöglich noch länger, wenn die Verbreitung von Covid-19 bis dahin nicht sinkt. In der zwölften Kalenderwoche 2020 sank das Kundenaufkommen im Einzelhandel gegenüber der Vorwoche um rund 64,5 Prozent.

Das Bild zeigt einen Teil der Branchenanalyse für den Einzelhandel: die Besucherfrequenz, die erheblich eingebrochen ist.

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Diese Zwangsschließungen könnten deutschlandweit zu einem Umsatzausfall von rund 1,15 Milliarden Euro pro Tag oder etwa sieben Milliarden Euro pro Woche führen, schätzt der Handelsverband Deutschland (HDE).

Die Handelsverbände HDE, BTE wie Bevh warnen vor drohenden Insolvenzen unter ihren Mitgliedern schon innerhalb nur weniger Wochen und fordern Hilfe und Entgegenkommen von Politikern, Vermietern und ihren Lieferanten.

Onlinehandel: Verluste erwartet

Auch Onlinehändler blieben von den Umsatzrückgängen nicht verschont. Eine Befragung unter 135 Unternehmen durch den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V (Bevh) ergab, dass 77 Prozent der teilnehmenden Onlinehändler mit sinkenden Erträgen rechnen.

Erwartet werden einerseits sinkende Bestellzahlen und andererseits Probleme bei Produktion und Lieferung georderter Ware. Nur 14 Prozent aller Onlinehändler glauben an Umsatzzuwächse durch Corona-Auswirkungen.

Handelsexperten erwarten Ladensterben

In Deutschland droht in den nächsten zehn Jahren nach einer Prognose von Handelsexperten ein weiteres großes Ladensterben. Die Zahl der Unternehmen im stationären Einzelhandel werde sich durch geänderte Kaufgewohnheiten und den Siegeszug des Onlinehandels bis zum Jahr 2030 noch einmal um bis zu 64.000 verringern.

Die Zahl der Verkaufsstellen werde sogar um bis zu 80.000 sinken, prognostiziert das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in seinem nun veröffentlichten „Handelsszenario 2030“. Aktuell gibt es laut IFH bundesweit noch rund 226.000 Einzelhandelsunternehmen.

Weil in dieser Prognose die Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht berücksichtigt waren, könnte man in einem Worst-Case-Szenario auch davon ausgehen, dass sich die Prognosen wie im Zeitraffer bewahrheiten könnten.

Bekleidungshändler zittern um 900 Millionen Euro Umsatz pro Woche

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Für den stationären Modehandel, der schon vor dem Lockdown an sinkenden Umsätzen litt, könnten in Deutschland 890 Millionen Euro Umsatz pro Woche wegbrechen, erwartet der Kreditversicherer Euler Hermes.

Vertikal organisierte Unternehmen wie etwa Esprit, Hugo Boss, Adler Modemärkte u.a. haben in den vergangenen Tagen ihre Geschäftsprognosen zurückgenommen. Einen neuen Ausblick wagen die Unternehmen wegen der sich rasch verändernden Lage und Unsicherheit angesichts der Ausbreitung des Coronavirus nicht.

Den von Schließungen betroffenen Handel belasten einerseits fehlende Umsätze und andererseits hohe Fixkosten wie etwa Miete und Warenbestellungen. Gemeinsam mit Einkaufsgenossenschaften und Lieferanten ringen vor allem Branchen mit Saisonware derzeit um gemeinsame Lösungen.

Zu den aktuellen Problemen zählen massenhafte Bestellungsstornierungen von Händlern, keine Auslieferungsmöglichkeit von Herstellern und Großhändlern angesichts geschlossener Geschäfte, sowie bereits in den Geschäften befindliche Frühjahrs-Sommerware, die möglicherweise unverkäuflich sein wird.

Dazu kommt die Unsicherheit über die Dauer von Virusverbreitung und Zwangsmaßnahmen, die das fein austarierte Ordergeschehen in der Branche – mit bis zu zehn Kollektionen pro Jahr – durcheinanderbringt.

Branchenanalyse Lebensmittelhandel: Corona-Boom

Aktuell scheint keine andere Branche so extrem positiv von der Corona-Krise betroffen zu sein, wie der Lebensmittelhandel. Aus Verbrauchersicht gibt es Versorgungsengpässe, etwa bei Toilettenpapier, Nudeln und Mehl.

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Aus Handels- und Expertensicht führt der in Krisenzeiten „hamsternde“ Verbraucher durch irrationales Einkaufsverhalten und übertriebene Bevorratung selber zu teilweise leeren Regalen, obwohl die Läger und Lieferwege voll bzw. gesichert seien.

Laut Boston Consulting Group (BCG), können Lebensmittelhändler in Deutschland „über mehrere Wochen“ mit einem anhaltenden Umsatzplus von 10 bis 15 Prozent rechnen. Zwei Haupttreiber gebe es: Zum einen lagerten Kunden Hygiene- und Gesundheitsprodukte ein.

Andererseits mieden Menschen Restaurants und verbrächten mehr Zeit zu Hause. Allerdings: Aus Angst vor Ansteckung könnten Konsumenten ihren Aufenthalt im Supermarkt begrenzen, was die Nachfrage nach frischen Produkten wiederum dämpfen dürfte.

Das Bild zeigt einen Teil der Branchenanalyse für den Bereich Lebensmitteleinzelhandel.

Mehrere Hamsterwellen

Der Lebensmittelhandel hat inzwischen flächendeckend – auch zum Schutz der eigenen Mitarbeiter, die sich enormen Belastungen ausgesetzt sehen – umfangreiche Maßnahmen zur Abstandshaltung, Desinfektion, und kontaktlosen Abwicklung ergriffen.

In der ersten „Hamsterwelle“ griffen Kunden überwiegend zu Desinfektions- und Reinigungsmitteln. In einer zweiten Welle lag der Schwerpunkt auf Konserven, Tütensuppen, länger haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

Mittlerweile werden vielerorts bestimmte Waren (etwa Mehl) nur noch in haushaltsüblichen Mengen abgegeben, und Sicherheitspersonal zeigt Präsenz. Aktuell planen die großen Handelsketten und Discounter im Lebensmittelbereich weder Schließungen noch Ausweitungen ihrer Ladenöffnungszeiten.

Onlinehandel mit Lebensmitteln ist ein Profiteur

Zu den wenigen Profiteuren der Corona-Krise zählt der Onlinehandel mit Lebensmitteln und Lieferdiensten, der bislang aber nur einen sehr geringen Gesamt-Marktanteil hat.

Laut der aktuellen Analyse „Lebensmittel online – heute und 2030“ des IFH Köln kaufen aktuell deutlich mehr Konsumenten bewusst online ein, um den stationären Einkauf zu vermeiden.

Dabei wandern am häufigsten Nudeln, Konserven und Reis in den Warenkorb. Die Gründe: Zum einen sind das Lebensmittel, die gut auf Vorrat zu kaufen sind. Zum anderen gibt es bei diesen Produkten ein geringeres Risiko auf schlechte Produktqualität.

Branchenanalyse Elektronikhandel: Zwangsverlagerung ins Internet

Umsatzeinbußen durch Geschäftsschließungen auf der einen Seite und gezielte (Online-)Nachfragesteigerung bei Home-Office-Equipment. So stellt sich der deutsche Handel mit Consumer Electronics in der dritten Märzwoche 2020 dar.

Das Bild zeigt eine Studie "Masterplan 2030", die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bert Rürup, dem Macher von DER CHEFÖKONOM, entstanden ist. Anzeige

Die dominierenden Handelsketten, Verbundgruppen und Filialisten sprechen übereinstimmend von einer nur teilweisen Verlagerung der Umsätze in den Onlinehandel und verweisen unisono auf befürchtete Verzögerungen bei Herstellung und Lieferung von (Eigenmarken-)Produkten aus China. Branchenriese Ceconomy hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgezogen.

Begleitet wird die Zwangsverlagerung des Geschäfts ins Internet von massiven Werbemaßnahmen großer Händler, umfangreichen Preisreduzierungen und Vergünstigungen, wie etwa kostenfreier Haustür-Zustellung ohne Mindestbestellwert.

Während der Handel mit Smartphones auf Monatssicht global betrachtet Umsatzeinbußen von rund 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften muss, versuchen stationäre Elektronikhändler großteils über ihren Onlineauftritt eine Nahversorgung mit Reparaturen, Dienstleistungen, Beratungen und kontaktloser Geräteübergabe zu gewährleisten, um den Kontakt zum Kunden zu halten.

Branchenexperten von Systemhäusern (wie Bechtle und ITScope) sehen in der Corona-Krise auch eine positive Entwicklung: Sie werde die Digitalisierung vorantreiben, weil es zu einem rascheren Austausch alter IT und Hardware kommen werde und weil viele Kritik Cloud- und Collaboration-Lösungen nun offener gegenüberstünden, heißt es.

Quellen: HDE, BTE, GfK, IfH, Bevh, dpa, W&V, Textilwirtschaft, Fashion United, Handelsblatt, Channelpartner

Branchenanalyse Gastgewerbe: „Schiere Existenzangst“

In vielen Ländern ist durch den Corona-Ausbruch das öffentliche Leben lahmgelegt. Die Gastronomie trifft das besonders hart. Das zeigen Daten von OpenTable, einem Anbieter von Online-Reservierungen. Schon zwischen dem 7. und 20. März verzeichneten Restaurants einen starken Rückgang der Besucherzahlen.

Am Wochenende des 21. und 22. März sei das gastronomische Leben in Deutschland dann praktisch zum Erliegen gekommen. Eine letzte Nische bleibt noch: Viele Restaurants haben ihre Geschäfte auf Take-away umgestellt, um Einnahmen zu erzielen.

Das Bild ist Teil der Branchenanalyse und zeigt den Einbruch in der Gastronomie durch das Corona-Virus.

Im Gastgewerbe, also in der Gastronomie und dem Beherbergungsgewerbe, fürchten viele um ihre Existenz. „Wir kämpfen dafür, dass jeder Betrieb die Hilfe erfährt, die er benötigt, um die Corona-Krise zu überstehen“, stellen Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes, und Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin, auf der neue  Webseite www.dehoga-corona.de/ fest.

Hilfspaket reicht nicht

Der Verband fordert daher einen eigenen Corona-Schutzschirm, denn die bislang von der Bundesregierung vorgesehenen Rettungsmaßnahmen trügen den Besonderheiten im mittelständisch geprägten Gastgewerbe nicht hinreichend Rechnung. 

Mietstundungen reichten im Gastgewerbe nicht aus, da Umsätze nicht nachgeholt werden können. Zudem fallen zahlreiche Unternehmen im Gastgewerbe nicht unter die Regelungen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Dieser gilt für Unternehmen mit einer Bilanzsumme über 43 Millionen Euro, 50 Millionen Euro Umsatz und über 250 Arbeitnehmer.

Ohne Korrekturen drohten gastgewerbliche Betriebe, insbesondere mit mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, durch das Raster der staatlichen Hilfsprogramme zu fallen, warnt der Verband Dehoga. Und dann seien irreparable Schäden in Hotellerie und Gastronomie zu erwarten.

Erste Insolvenzen von Restaurants

Die Zwangsschließung von Restaurants hat finanziell angeschlagene Ketten bereits ins Wanken gebracht, wie die Maredo-Gruppe und den Vapiano-Konzern. Da die Gastronomie jedoch sehr kleinteilig ist, sind vom Shutdown in Deutschland rund 71.800 Restaurants (mit Systemgastronomie), rund 35.500 Imbissstuben, über 4.300 Bars, Diskotheken, Tanz- und Vergnügungslokale und etwa 11.600 Cafés betroffen.

Deutschlandweit sind nach Daten von Statista rund 428.000 Personen im Gastronomieservice beschäftigt. Im gesamten Gastgewerbe in Deutschland waren im Jahr 2018 über eine Million sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Der Bruttojahresverdienst eines Vollzeitarbeitnehmers betrug dabei im Jahr 2018 durchschnittlich rund 29.200 Euro.

Ein Lichtblick: Lieferservice

Marktführer Lieferando spürt durch die Coronakrise einen deutlichen Zulauf an neuen Restaurants, die ihr Essen auf der Plattform anbieten wollen. „Generell haben wir in den vergangenen Tagen einen wesentlichen Anstieg der Anfragen durch Restaurants feststellen können“, teilte der Mutterkonzern Takeaway.com auf Anfrage mit.

„Die Lieferung ist nun eine gute Alternative für Restaurants, die ihre Türen momentan für Gäste geschlossen halten müssen.“ Gleichzeitig würden aber auch viele Restaurants der Plattform den Betrieb wegen der Coronakrise einstellen, sagte eine Sprecherin.

Branchenanalyse Maschinenbau: Hoffnung auf das zweite Halbjahr

Die Corona-Krise setzt dem krisenerprobten deutschen Maschinenbau heftig zu. Viele Firmen haben bereits ihre Produktion heruntergefahren, Umsatz- und Gewinnprognosen kassiert, Kurzarbeit beantragt oder stehen wie der Laserspezialist Trumpf kurz davor. Europas größter Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori schließt den April über seine europäischen Produktionswerke, andere Unternehmen ziehen die Werksferien vor.

Knapp 60 Prozent der Betriebe berichteten in einer jüngst veröffentlichten Umfrage von Beeinträchtigungen der Lieferketten, die Auswirkungen stuften sie jedoch als „mittel bis gering“ ein. Der deutsche Branchenverband erwartet zwar für die zweite Jahreshälfte Nachholeffekte. Die derzeitigen Verluste könnten aber nicht kompensiert werden, heißt es.

Schon ohne den Corona-Effekt rechnet die Branche für das laufende Jahr mit einem Produktionsminus von fünf Prozent. Bereits 2019 war der Umsatz zurückgegangen. Mit 296 Milliarden Euro konnten die deutschen Hersteller den Umsatzrekord aus dem Jahr zuvor (300 Milliarden Euro) nicht wiederholen.

Heterogener Maschinenbau: Krise kommt mit Verzögerung

Dabei ist die Krise in einigen Segmenten der sehr heterogenen Branche noch gar nicht richtig angekommen. Sie produzieren wie der Getränke-Abfüllanlagenhersteller Krones weiter auf hohem Niveau, weil sie noch auf dicken Auftragspolstern sitzen.

Mit Bremsspuren bei der Produktion rechnen sie erst im Verlauf des Sommers: Neugeschäft findet kaum noch statt, die Kunden zögern ihre Investitionsentscheidungen hinaus.

„So lange die Werkshallen nicht ganz geschlossen werden, können unsere Firmen die bestellten Maschinen und Anlagen theoretisch auch weiterhin ausliefern oder ihren Service durchführen.

Aber je stärker die Restriktionen in unseren Kundenbranchen werden, umso heftiger werden auch wir als Ausrüster getroffen“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Trumpf hofft auf China

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer – und einer kommt ausgerechnet aus China: Beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf beispielsweise ist die dortige Produktion nach den Fabrikschließungen wieder angelaufen.

Mittlerweile sind mehr als 90 Prozent der üblichen Kapazität erreicht. Der Vizechef der chinesischen Zentralbank Chen Yulu rechnet damit, dass sich Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal weiter erholen wird.

Das Land ist für die deutschen Maschinenbauer nach den USA der zweitwichtigste Ausfuhrmarkt und ein bedeutender Zulieferer von Vorleistungsprodukten.

Tarifabschluss entlastet

Auch auf der Kostenseite sorgt der jüngst erzielte Tarifabschluss für Entlastung: Die in Nordrhein-Westfalen (NRW) geschlossene Pilotvereinbarung für die Metall- und Elektroindustrie sieht vor, die Löhne in diesem Jahr nicht mehr zu erhöhen.

Arbeitnehmer mit kleinen Kindern erhalten zusätzliche freie Tage, für Kurzarbeiter soll es Ausgleichszahlungen geben. Mit der Einigung in NRW sind die regionalen Verhandlungen für die rund vier Millionen Beschäftigten der Branche bundesweit faktisch bis zum Jahresende ausgesetzt worden. Der Präsident von Gesamtmetall, Rainer Dulger, lobte den Not-Abschluss als „Zeichen der Vernunft“.

Branchenanalyse Ernährungs- und Getränkeindustrie: Gewinner und Verlierer

In der Ernährungsindustrie gehören die Hersteller haltbarer Produkte wie Nudeln, Kartoffeln oder Fertiggerichten derzeit zu den Corona-Krisen-Gewinnern. Hersteller von Convenience-Produkten wie Pizza und Fischstäbchen fahren Sonderschichten und arbeiten an Plänen, sich notfalls vorübergehend auf ihre Schnelldreher zu konzentrieren.

Engpass in der Branche, die als systemrelevant eingestuft wurde, ist derzeit das Personal. Während in der übrigen Wirtschaft Kurzarbeit eingeführt wird, verhandelt die Ernährungsbranche derzeit über flexible Aufstockungsmöglichkeiten der Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter.

Dem Obst-, Gemüse- und Weinbau fehlen zudem die fast 300.000 Saisonarbeitskräfte aus osteuropäischen Ländern, die nicht einreisen dürfen. Das behindert vor allem die Aussaat der Kartoffeln, die derzeit besonders gefragt sind, und die anstehende Spargelernte.

Nicht nur die Haltbarkeit der Produkte, sondern auch der Absatzkanal entscheidet heute über den Verkaufserfolg der Lebensmittel. Während der Lebensmitteleinzelhandel boomt, bricht der Außer-Haus-Markt ein, da Restaurants, Kantinen oder Imbisse ganz oder teilweise geschlossen sind.

Viele Hersteller reagieren, indem sie ihren Absatz stärker auf den Lebensmitteleinzelhandel fokussieren. Das gelingt aber nicht in allen Subsegmenten.

So bangen die Bierbrauer um die Gastronomie als Absatzkanal, der bei einigen Brauereien nach Angaben des Deutschen Brauerbunds rund 80 Prozent des Geschäfts ausmacht, im Schnitt sind es rund 20 Prozent.

Dieses Geschäftsmodell, gekennzeichnet durch langfristige Lieferverträge und Brauereidarlehen an Gastronomen, ist besonders margenstark. Jetzt bricht es weg und forderte auch schon ein erstes Opfer: Die mehr als 400 Jahre alte unterfränkische Wernecker Bierbrauerei mit 15 Mitarbeitern kündigte diese Woche ihre Schließung zum 30. September an.

Als Grund nennt Inhaber Hans Jörg Lang die drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf das Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft. Die staatliche Soforthilfe und Kurzarbeit seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte seine Ehefrau Christina Lang vor der Belegschaft.

Branchenanalyse Automobilzulieferer: Autokäufe werden verschoben

Die Ausbreitung des Coronavirus hat für einen massiven Einbruch bei der Nachfrage nach Automobilen gesorgt. Weltweit haben sich die Konsumpräferenzen geändert, der Kauf eines neuen Autos ist auf der Prioritätenliste weit nach unten gerutscht.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s geht deshalb in einer aktuellen Studie davon aus, dass in diesem Jahr weltweit weniger als 80 Millionen Autos verkauft werden könnten. Im Jahr 2019 betrug diese Zahl noch mehr als 90 Millionen.

Und selbst wenn die Krise in wenigen Monaten überwunden sein sollte, werden viele Menschen durch die Einkommenseinbußen im Nachgang weniger Geld für Konsumausgaben zur Verfügung haben. Das Kurzarbeitsgeld wirkt hier entsprechend nach.

Stillstehende Bänder und geschlossene Verkaufsräume

Neben diesem Nachfrageeinbruch sorgt auch der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor der Infektion mit dem Virus dafür, dass die Automobilproduktion in Europa komplett zum Erliegen gekommen ist. BMW hat seine Produktion in Europa sogar für vier Wochen gestoppt.

Und auch die Autohändler sind betroffen, denn sie mussten ihre Filialen schließen, Autos können aktuell nur über das Internet erworben werden. Da die Zulassungsstellen aber geschlossen sind, ist auch dies keine allzu attraktive Option für potenzielle Käufer.

Coronavirus erhöht den Druck im Transformationsprozess

Die Corona-Krise trifft die Automobilbranche in einer ohnehin schon herausfordernden Zeit. Die immer anspruchsvolleren politischen Vorgaben zur Senkung der Abgasemissionen haben in der Branche einen Transformationsprozess in Gang gesetzt, der mit hohen Investitionskosten einhergeht.

Entsprechend standen schon vor der Pandemie viele Unternehmen (insbesondere mittelständische) unter hohem Druck, der sich nun noch einmal verstärkt hat. Die Signifikanz der Krise wurde daher auch noch einmal von der neuen Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, hervorgehoben: „Wir werden lange mit drastischen wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen haben“.

Autozulieferer reagieren unterschiedlich auf die Krise

Bosch hat als Reaktion ab Mittwoch den Betrieb seiner deutschen Standorte stark eingeschränkt und Teile seiner Produktion und Verwaltung heruntergefahren. Betroffen sind insgesamt 35 Standorte des Unternehmensbereichs Mobility Solutions sowie von Zentralfunktionen und -bereichen in Deutschland. Auch Continental und ZF haben Produktionskürzungen und Kurzarbeit angekündigt. Mahle plant Einschränkungen an allen 70 Standorten.

Leoni sieht sogar seine Existenz gefährdet und hat angekündigt, Staatshilfen zu beantragen, „um den Fortbestand des Geschäftsbetriebs zu sichern“. Der Vorstandsvorsitzende von Schaeffler, Klaus Rosenfeld, hat diese Woche klargestellt, dass dies bei seinem Unternehmen in absehbarer Zeit nicht notwendig werde.

Generell betonen die Automobilzulieferer, dass die Lieferketten trotz der Krise weiterhin intakt sind. Dies hat auch rechtliche Gründe. Denn die Einstellung der Produktion der Automobilhersteller aufgrund von Lieferproblemen bei den Zulieferern könnte erhebliche Regressforderungen begründen.

Produktionsumstellung kann gute Chancen eröffnen

Daher warten die Zulieferer mit der Schließung ihrer Produktionsanlagen solange, bis die Hersteller die Aufträge stornieren. Teilweise widmen Zulieferer aber auch ihre Produktion um. So stellt Zettl eigentlich Teile für das Interieur her, produziert nun aber Mundschutzmasken und konnte dadurch sogar Kurzarbeit verhindern.

Branchenanalyse Transport und Logistik: Krise der Seefracht

Die weltweiten Nachfrage- und Produktionsrückgänge haben auch für die Transport- und Logistikbranche Folgen. Dabei sind die einzelnen Segmente der Branche unterschiedlich stark betroffen.

Aufgrund ihrer hohen Bedeutung steht die Seeschifffahrt natürlich besonders im Fokus, denn 80 Prozent aller Güter werden über die Meere transportiert.

Größter Kapazitätseinbruch in der Seefracht seit Finanzkrise 2009

Laut dem Branchendienst Alphaliner lagen Ende Februar Schiffe mit einer Kapazität von 2,4 Millionen Standardcontainern untätig auf See, insbesondere vor China. Dies ist mehr als während der Finanzkrise 2009 (1,52 Millionen Standardcontainer).

Da in den vergangenen Jahren die Kapazität allerdings stark erhöht wurde, ist der Anteil an der Gesamt-Tonnage geringer als vor zehn Jahren. Die Frachtraten für den Transport eines Containers von China nach Europa sind entsprechend stark gesunken.

In den deutschen Häfen wird sich die Krise erst in den nächsten Wochen bemerkbar machen, da dann die Schiffe aus China ausbleiben, die vor sechs Wochen in China hätten starten müssen. „Bislang läuft der Betrieb bei uns noch normal“, bestätigte die Vorstandschefin des Hamburger Hafens, Angela Titzrath, dem Handelsblatt.

Mittlerweile verlassen jedoch die ersten Containerschiffe wieder vollbeladen China, sodass mit deren Eintreffen Ende April bis Anfang Mai auszugehen ist. Die negativen Auswirkungen einer möglichen Verschiebung des Zentrums der Corona-Krise von Europa in die USA sind noch nicht abschätzbar.

Die Reedereien sind auf die Krise unterschiedlich gut vorbereitet. Während Hapag-Lloyd diese Woche verkündete, trotz des Coronavirus in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben zu wollen, hat der dänische Konkurrenz A.P. Möller-Maersk seine Jahresprognose ersatzlos kassiert.

Luftfracht kann Alternative bieten

Auch die Luftfracht hat Kapazitätsrückgänge zu verzeichnen. Weil die Passagierflüge fast komplett eingestellt wurden, fehlt das Frachtvolumen in den Bäuchen dieser Flugzeuge („Belly Cargo“).

Die Nachfrage nach Luftfracht dürfte jedoch in der nächsten Zeit ansteigen. Wenn in China die Produktion wieder hochgefahren wird und die Schiffe etwa sechs Wochen für den Weg bis nach Europa benötigen, kann der Lufttransport eine attraktive Alternative darstellen.

Die Lufthansa hat daher bereits angekündigt, auch den Einsatz von Passagierflugzeugen für Frachttransporte zu prüfen und bereitzustellen. Insbesondere beim Transport von Medikamenten und medizinischem Equipment kann dies wichtig werden. 

Straßenverkehr: Alle Kapazitäten für Lebensmittel und Medikamente

Während der Krisenzeit muss die Versorgung der Menschen in Deutschland mit Lebensmitteln und Medikamenten sichergestellt sein. Demzufolge müssen auch die Transportunternehmen im Straßenverkehr einsatzfähig sein.

Kapazitäten sind freigeworden, weil beispielsweise die Belieferung von Modegeschäften oder Restaurants drastisch reduziert wurde. Diese freien Kapazitäten werden dringend bei der Belieferung von Lebensmittelläden und Apotheken benötigt.

Negativ auf die Aufrechterhaltung der Lieferketten wirken sich die Grenzschließungen mit langen Wartezeiten aus. Zudem droht ein Fahrermangel. Denn wenn Lkw-Fahrer aus Tschechien oder Polen von ihrer Fahrt nach Deutschland nach Hause kommen, müssen sie dort zwei Wochen in Quarantäne. Erleichterungen von dieser Regel werden nicht in dem Umfang umgesetzt, wie angekündigt.

Schienenverkehrsunternehmen reagieren gemeinsam auf die Krise

Auch im Schienenverkehr brechen Aufträge weg. Für Europas größten Logistikkonzern, die Bahn-Tochter Schenker, entfallen etwa 80 Prozent des Transportaufkommens nach China. Die China-Verkehre machen rund 15 bis 20 Prozent des Schenker-Geschäfts aus.

Der Schienenverkehr kann eine Alternative zum Straßenverkehr bei der Versorgung der Bevölkerung sein.

Um sich auf verschiedene Konzepte zu einigen und auf unterschiedliche Situationen vorzubereiten, haben sich die im Schienengüterverkehr tätigen Unternehmen in einem Papier auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt.

Boom der Paketdienste setzt sich fort

Von Ausnahmen wie Lebensmittelgeschäften abgesehen, sind in Deutschland flächendeckend stationäre Handelsgeschäfte geschlossen. Dies sorgt für einen hohen Bedeutungszuwachs des Onlinehandels und in dem Zusammenhang auch der Paketdienste. Amazon hat entsprechend am Donnerstag dieser Woche bekanntgegeben, dass 350 zusätzliche Voll- und Teilzeitstellen in der Logistik geschaffen werden, um die Nachfrage bedienen zu können.

Branchenanalyse Medien: Gewinner und Verlierer zugleich

Geschäftsschließungen, Kurzarbeit, Homeoffice und allgemeine Ausgangsbeschränkungen erhöhen sowohl die verfügbare Konsumzeit in den eigenen vier Wänden als auch das Bedürfnis nach Information und Unterhaltung.

Dies sind prinzipiell gute Voraussetzungen für Rundfunkveranstalter und Verlage. Demgegenüber liegen Kinos und Live-Entertainment für die Dauer des „Shutdowns“ vollständig brach.

Wie der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) schätzt, entsteht der deutschen Kinobranche durch die flächendeckende Saalschließung ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 17 Millionen Euro pro Woche. Die aktuell entgehenden Einnahmen sind unwiederbringlich, da sie nicht durch einen zukünftigen Mehrverkauf von Tickets ausgeglichen werden.

Dies hat Rückwirkungen auf die gesamte Filmwertschöpfungskette, denn ausgefallene oder verschobene Kinostarts bedeuten auch Einbußen für den Filmverleih und die Filmproduktion.

Am 19. März hat die Filmförderungsanstalt (FFA) ein Soforthilfeprogramm beschlossen, um die wirtschaftlichen Härten in diesem von kleinen und mittleren Unternehmen dominierten Segment abzufedern.

Anders stellt sich die Situation für Rundfunkveranstalter dar: In Zeiten von Corona verbringt man viel Zeit auf der heimischen Couch. Nach Angaben der AGF Videoforschung ist die TV- und Streaming-Nutzung seit Februar merklich angestiegen.

Insbesondere das lineare Fernsehen hat zugelegt – entgegen dem allgemeinen Markttrend, der seit Jahren eindeutig in Richtung Videostreaming zielt. Sowohl bei öffentlich-rechtlichen als auch bei privaten Sendern erreichen Nachrichtenformate, Sondersendungen und Talkshows zur Corona-Krise Rekordeinschaltquoten.

Auch Zeitungs- und Zeitschriftenverlage erleben eine Sonderkonjunktur, seitdem das Coronavirus den Alltag und die Nachrichtenlage bestimmt. So vermelden sowohl der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) als auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) einen sprunghaften Anstieg der digitalen Reichweiten von Presseprodukten.

Aufgrund des erhöhten Informationsbedürfnisses sind diese um bis zu 65 Prozent angestiegen. Nach Untersuchungen des Informationsdienstleisters ZMG haben in der vergangenen Woche (KW 12) über zwei Drittel der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahre auf die digitalen

Angebote von Zeitungen zugegriffen. Auch die Zahl der digitalen Zeitungsabos nimmt derzeit überproportional zu.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich die höheren Reichweiten womöglich nicht monetarisieren lassen. Denn es zeichnet sich ab, dass Werbeerlöse in großem Umfang wegbrechen: Kampagnen werden storniert oder verschoben. Wann die Werbekunden zurückkehren und ob es zu Nachholeffekten kommt, bleibt fraglich.

Branchenanalyse Informations- und Kommunikationstechnologie: Gewinnt an Bedeutung

Die Corona-Krise verdeutlicht den Stellenwert der Digitalisierung – und die Versäumnisse der Vergangenheit. Um die Ausbreitung von COVID-19 in Deutschland einzudämmen, lassen viele Firmen ihre Angestellten nur noch im Homeoffice arbeiten.

Eine vom Digitalverband Bitkom initiierte Umfrage unter mehr als 1.000 Bundesbürgern ab 16 Jahren hat ergeben, dass mittlerweile jeder zweite Berufstätige (49 Prozent) ganz oder teilweise im Homeoffice arbeitet. Allgemein wird der Digitalisierung eine große Bedeutung im Kampf gegen die Corona-Pandemie beigemessen; rund zwei Drittel der Befragten bestätigen diese Ansicht.

Für Unternehmen der IKT-Branche ergibt sich eine erhöhte Nachfrage nach Homeoffice-Equipment. Prinzipiell sind dies gute Nachrichten für die Branche, jedoch sind die Lieferketten durch Betriebsschließungen in China unterbrochen. Nach Schätzung des Bitkom

betragen die monatlichen Importe von Ausrüstungsgegenständen und Endgeräten aus China in „normalen Zeiten“ durchschnittlich zwei Milliarden Euro.

Große (System-)Häuser verfügen oftmals über Lagerbestände oder bevorzugte Kontakte zu Distributoren, aber kleinere IT-Dienstleister müssen möglicherweise Aufträge aufgrund fehlender Hardware absagen. Auch die begrenzte Anzahl von Fachkräften wirkt als Dämpfer.

Langfristig könnte die Corona-Krise die Digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigen und überfällige Investitionen anstoßen. Sie hat die Bedeutung aktueller Trends offengelegt. Neben der Digitalisierung von Prozessen und dem Austausch veralteter IT zählen dazu beispielsweise der Breitbandausbau oder das Cloudcomputing, das einen ortsunabhängigen Zugriff auf Daten ermöglicht.

Branchenanalyse Bauindustrie: Bleibt bisher verschont

Die Baubranche spürt die Corona-Krise bisher relativ wenig. Anders als im Nachbarland Österreich wird auf den deutschen Baustellen gearbeitet. Die Bundesregierung bemüht sich, die Konjunkturstütze Bauwirtschaft aufrechtzuerhalten.

Die Deutsche Bahn lockert ab April sogar die Zugangsregeln für mittelständische Unternehmen zu den Bahnbaustellen.

Kurz vor der Verbreitung des Virus in Deutschland erreichten die Auftragseingänge im Bau noch ein Rekordniveau, lagen im Januar 2020 nominal 9,1 Prozent über dem ebenfalls gut laufenden Januar 2019. Aktuell zeichnen sich aber bereits kleinere Engpässe bei Vorprodukten wie Platten oder Armarturen ab, vor allem bei traditionellen Lieferanten aus Italien.

Der weltweit zweitgrößte Zementhersteller Heidelberg Cement strich diese Woche die Ergebnisprognose für 2020, da drei Werke der italienischen Tochter Italcementi stillstehen und vor allem in Südeuropa und den USA immer mehr Abnehmer ausfallen, da dort die Baustellen ruhen.

Ansonsten sind die Lieferketten der heimischen Bauwirtschaft kaum unterbrochen, da sie sehr regional ausgerichtet sind. Die rund 100.000 Bauarbeiter aus osteuropäischen Ländern, die jetzt nicht mehr einreisen dürfen, reißen aber bereits eine Personallücke, zusätzlich zu den erwarteten Ausfällen durch Virusinfektionen.

Das trifft vor allem den Hochbau und einzelne Bauhandwerke, beim maschinenintensiveren Tiefbau ist der Personalmangel noch nicht spürbar.

Nach einer Schnellumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages erwarten 75 Prozent der Bauunternehmen, dass sie in den kommenden Wochen die Auswirkungen von Liquiditätsengpässen der Auftraggeber, Lieferengpässen und Personalausfällen spüren werden. Langfristig bangt die Branche in Folge der Corona-Krise vor allem um Aufträge für Gewerbebauten.

Branchenanalyse Chemieindustrie: Gerät in den Abwärtssog

Die deutsche Chemieindustrie wird durch die Coronavirus-Krise sehr schwer getroffen, da die Branche bereits seit vergangenem Jahr in einer Rezession steckt. Im März sank das vom ifo-Institut erhobene Geschäftsklima saisonbereinigt auf -22,2 Punkte und damit auf einen noch niedrigeren Stand als der Durchschnitt im Verarbeitenden Gewerbe (-18,2). Grund dafür ist vor allem die hohe Konjunkturabhängigkeit der Branche.

So ist die Chemiebranche stark von anderen Industriezweigen abhängig. Nach Angaben des Verbands der chemischen Industrie (VCI) hängen mindestens 15 Prozent der Produktion allein am Fahrzeugbau.

Durch die massive Drosselung der Produktion vieler Automobilhersteller in der vergangenen Woche wird die Nachfrage nach chemischen Produkten daher erheblich nachlassen. Mittlerweile stellt sich die Automobilbranche in Deutschland auf einen Produktionsstopp bis Ostern ein.

Darüber hinaus hat die deutsche Chemieindustrie einen Auslandsumsatzanteil von 63 Prozent. Davon entfallen 27,7 Prozent allein auf Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU). Die Grenzschließungen in der EU sowie der befürchtete Einbruch der Weltkonjunktur lassen daher keine positiven Nachfrageeffekte für die Branche erwarten. 

Entsprechend pessimistisch blicken die Unternehmen der chemischen Industrie in die Zukunft. Die Geschäftserwartungen der Branche sanken im März auf einen neuen Tiefstand von -39,5 Punkte (Quelle: ifo Konjunkturstatistik, saisonbereinigt). Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2009.

 Link: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/coronakrise-autoindustrie-stellt-sich-auf-produktionsstopp-bis-ostern-ein/25681956.html

Link: https://www.vci.de/themen/corona/alle-kraefte-gegen-die-unsichtbare-bedrohung-mobilisieren-blogbeitrag.jsp

Branchenanalyse Medizintechnik: Aufragsboom, aber Probleme mit Zulieferern

Die deutsche Medizintechnikbranche gehört zu den wenigen Branchen, die durch die Corona-Krise teilweise eine kleine Sonderkonjunktur erfährt. So erhielt beispielsweise der Medizintechnik-Hersteller Drägerwerk Mitte des Monats von der Bundesregierung den Auftrag, 10.000 Beatmungsgeräte zu liefern. Diese werden nun in Sonderschichten hergestellt.

In den USA ist die Nachfrage nach medizintechnischen Geräten durch die Corona-Krise sogar so hoch, dass führende Automobilhersteller wie Ford, GM und Tesla auf die Produktion von Beatmungsgeräten umstellen wollen.

Allerdings wirkt sich die Corona-Krise nicht nur positiv auf die Nachfrage der Branche aus. Immer mehr Unternehmen im Bereich Medizinprodukte berichten über Probleme in den Lieferketten. Eine Umfrage des Branchenverbands BVMed im März 2020 ergab, dass 59 Prozent der Mitgliedsunternehmen Probleme mit ihren Zulieferern haben.

35 Prozent berichteten von Problemen, den Bedarf von medizinischer Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln für die eigenen Produktionsstätten sicherzustellen. Sechs Prozent können nach eigenen Angaben den Bedarf sogar überhaupt nicht mehr decken. Zudem mussten ebenfalls sechs Prozent der befragten Unternehmen Kurzarbeit anmelden.

Das Bild zeigt einen Teil der Branchenanalyse: Die Herstellung von Medizinprodukten.

Besonders wichtig für die Hersteller von Medizinprodukten in dieser Woche dürfte die Nachricht der EU-Kommissarin, Stella Kyriakides, gewesen sein, die Übergangsfrist für die EU-Medizinprodukteverordnung im Zuge der Corona-Krise um ein Jahr zu verlängern. Eigentlich wäre am 26. Mai dieses Jahres die Übergangsfrist ausgelaufen. Dies hätte viele Hersteller vor große Herausforderung in der Zertifizierung gestellt.

Branchenanalyse Pharma: Profitiert nur bedingt

Die Pharmabranche steht seit dem Beginn der Coronavirus-Krise im Fokus von Öffentlichkeit. Vor allem die fieberhafte Suche nach einem Impfstoff ist von besonderem Interesse.

So stellte die Bundesregierung bereits 145 Millionen Euro zusätzlich bereit, um die Forschung zu unterstützen. In Deutschland sollen vor allem die Unternehmen Curevac und Biontech vielversprechende Chancen haben, einen Impfstoff frühzeitig bereitzustellen.

Aber auch vorhandene Medikamente werden aktuell auf die Eignung gegen das Coronavirus geprüft. Möglich wären beispielsweise, dass vorhandene antivirale Medikamente auch gegen Covid-19 helfen, die ursprünglich gegen Viruskrankheiten wie Ebola, MERS oder SARS entwickelt wurden.

Im Branchenvergleich steht die pharmazeutische Industrie verhältnismäßig gut da. Nur 25 Prozent der Unternehmen gaben an, die negativen Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg waren es Mitte März bereits gut 56 Prozent.

Trotzdem trübt sich der Geschäftsausblick der Pharmabranche kurzfristig weiter ein. Der Geschäftsklimaindex im März sackte auf einen Wert von -3,4 ab (Saldo in Prozent, saisonbereinigt). Das ist der tiefste Stand seit Mai 2009 und der zweitniedrigste Wert, der je für die pharmazeutische Industrie gemessen wurde.

Hintergrund dürfte zum einen die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise sein, die auch an der Pharmazeutischen Industrie ihre Spuren hinterlassen. Zum anderen setzt die Corona-Krise die internationalen Lieferketten der pharmazeutischen Industrie stark unter Druck. Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Krise bestanden viele Lieferschwierigkeiten von Wirkstoffen und Arzneimittel in Deutschland.

Da viele dieser Wirkstoffe aus Indien oder China stammen, könnte der Engpass in der aktuellen Krise noch größer werden. So verhängte Indien bereits Mitte des Monats einen Ausfuhrstopp für einige Wirkstoffe, um den heimischen Bedarf zu decken. Viele Zulieferungen aus China waren aufgrund des Produktionsstopps im Zuge der Corona-Krise ausgefallen.

Langfristig sollte die Branche jedoch durch die Krise eine starke Aufwertung erfahren. So ist vorstellbar, dass bereits abgebaute Produktionskapazitäten zur Herstellung von Basisantibiotika in Deutschland wiederaufgebaut werden, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung sicherzustellen. Diese waren in den vergangenen Jahren aus Kostengründen in Europa fast komplett eingestellt worden.  

Der Chefökonom

Der Chefökonom

3 Gedanken zu “Branchenanalyse: Wie wirkt die Corona-Krise auf einzelne Wirtschaftszweige?

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