Corona-Rezession in Deutschland: Droht eine systemische Krise?

Corona-Rezession in Deutschland: Droht eine systemische Krise?

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Die Corona-Rezession wird schlimmer als angenommen und könnte langanhaltenden Schaden anrichten. Die Alarmstimmung unter Ökonomen steigt deshalb, und die Prognosen werden immer schlechter. Wie lange und wie stark darf die Wirtschaft gelähmt werden, damit die Corona-Krise nicht die Basis unseres Wohlstand für viele Jahre zerstört? Die Debatte darüber hat begonnen.

Die Gefahr einer systemischen Krise

Die deutsche Wirtschaft stürzt in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Davon geht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner Prognose vom 24. April aus.

Welthandel bricht 2020 um bis zu einem Drittel ein

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Der globale Konjunktureinbruch habe überdies drastische Konsequenzen für den Welthandel. Während China bereits wieder Produktion und Handel hochfährt, steht der Höhepunkt der Krise in den USA erst noch bevor. Europa verorten wir zeitlich in etwa in der Mitte. Beim weltweiten Handelsvolumen geht das IAB von einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel aus.

Die Welthandelsorganisation halte in einem Negativszenario sogar Rückgänge um mehr als 30 Prozent für möglich. Die deutschen Exporte werden dabei stärker sinken als die Importe, wodurch der Außenbeitrag deutlich zurückgeht.

IAB: BIP schrumpft 2020 mehr als acht Prozent (24. April)

Unter den aktuellen Voraussetzungen erwartet das IAB für das Jahr 2020 in Deutschland eine Schrumpfung des realen BIP von 8,4 Prozent (mit einem Kalendereffekt von +0,4 Prozentpunkten aufgrund der höheren Zahl an Arbeitstagen). Der Einbruch im zweiten Quartal liege bei 14,6 Prozent. In der Folge komme zwar eine Erholung in Gang, das BIP im zweiten Halbjahr 2020 werde aber immer noch um 6,8 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums liegen.

Diese Werte fallen deutlich drastischer aus als in den Frühjahrsprognosen vom März dieses Jahres, weil nun mehr Informationen über die weltweite Entwicklung des Shutdown und die geplanten Öffnungen vorliegen. Diese Prognosen gingen noch davon aus, dass der Wirtschaftseinbruch kürzer und weniger heftig ausfallen würde. Bei entsprechenden Annahmen für das Ausland seien damit auch weniger negative außenwirtschaftliche Erwartungen verbunden gewesen.

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Das IAB geht nun sogar noch einen Schritt weiter und warnt vor einer sehr langen und tiefen Krise: „Es ist derzeit nicht auszuschließen, dass sich die globale Rezession zu einer systemischen Krise auswächst. Dabei würden immense und langanhaltende Schäden in der Real- und Finanzwirtschaft entstehen. Ausmaß und Wirkungsweise einer solchen Krise sind unvorhersehbar.“

Professor Rürup: V-förmige Erholung ist unwahrscheinlicher geworden 

Der am Freitagvormittag veröffentlichte wichtigste vorauseilende Konjunkturindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, ist im April – von 85,9 Punkten im März – auf 74,3 Zähler abgestürzt. Das ist der niedrigste Wert dieser bis zum Jahr 2005 zurückreichenden Zeitreihe. „Nie zuvor wurde in den Chefetagen so pessimistisch in die Zukunft geblickt“, analysiert Professor Bert Rürup, der Präsident des Handelsblatt Research Institute (24. April)

„Dieser Wert lässt erwarten, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal dramatisch einbrechen und die Rezession tiefer sein wird als im Jahr 2009.“ Damals war das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent zurückgegangen. Die von vielen Ökonomen erhoffte V-förmige Erholung der Konjunktur sei unwahrscheinlicher geworden, und aus der Kurzarbeit in vielen Unternehmen dürfte bald offene Arbeitslosigkeit werden.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Politik kaum umhinkommen, ihre bisherige Strategie des „Auf-Sicht-Fahrens“ bei den Einschränkungen des Wirtschaftslebens zu überdenken, so Rürup. „Die gesamtwirtschaftlichen Risiken und die damit verbundenen nachhaltigen Vermögensverluste sind so dramatisch, dass auf einen Rückgang der Neuinfektionen schnell mit Rücknahmen der Beschränkungen reagiert werden sollte. Die Unternehmen brauchen dringend eine Perspektive, um ihre Produktion wieder hochzufahren.“

SPD-Politiker Lauterbach: Gefahr eines weiteren Lockdown im Sommer

SPD-Politiker, Arzt und Epidemiologe Karl Lauterbach warnt am 20. April in der ARD: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir zu einer Normalität wie wir sie letztes Jahr gekannt haben – auch in der Schule – frühestens 2021, vielleicht sogar nach den neuesten Studien erst 2022 zurückkommen.“

Lauterbach legte auf die entsetzte Nachfrage des Moderators sogar noch nach: „Man muss die Wahrheit doch sagen. Und ich bitte Sie, was soll das? Die beste Studie, die es zum langen Zeitverlauf gibt, ist die in der letzten Woche erschienene Studie der Arbeitsgruppe der Harvard-Universität. Die besagt, dass wir damit rechnen müssen, dass es möglicherweise bis 2022 geht.“ 

In einem Interview bestätige er seine These kurz danach: „Bis wir wieder in der vollkommenen Normalität angelangt sind, die wir aus dem Jahr 2019 kennen, wird es wohl 2022 sein. Da schließe ich mich der Studie der Harvard-Universität aus dem Team um Marc Lipsitch an. Selbst wenn wir einen Impfstoff entwickelt haben, ist es unklar, ob wir jeden damit impfen können oder zunächst nur Risikogruppen. Weil er möglicherweise nicht ausreicht. Es ist auch unklar, ob der Impfstoff dann ausreichend wirkt. Möglicherweise wird das Virus mutieren.“

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Auf den Sommerurlaub sollten die Deutschen daher verzichten: „Ich halte es für eine grotesk schlechte Idee, diesen Sommer in den Urlaub zu fahren. Die Gefahr ist sehr hoch, dass wir im Sommer einen schweren Rückfall der Krankheit erleben. Inklusive erneutem Lockdown und hohen Sterbezahlen. Das ist der beste Sommerurlaub nicht wert.“

Es gehe um Solidarität mit den Älteren: „Man muss den Menschen offen erklären, worum es hier geht. Für ältere Menschen wird das Problem nicht dadurch gelöst, dass sie in die Klinik kommen und dort künstlich beatmet werden. Von den älteren Menschen, die beatmet werden, sterben bis zu 60 Prozent am Beatmungsgerät. Jeder wird, wenn er Glück hat, irgendwann alt sein und sich an den Moment erinnern, an dem er solidarisch älteren Menschen geholfen hat.“

In der ZDF-Satires-Sendung „Heute Show“ mit Oliver Welke tauchte Lauterbach danach mit „ApoKARLype now“ im Bild auf.

Harvard-Universität: Soziale Distanz bis 2022

Die Studie der Wissenschaftler der Universität Harvard geht davon aus, dass eine einzige Phase der sozialen Distanz nicht ausreichen werde, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Um mittelfristig ein für Krankenhäuser haltbares Niveau zu erreichen, seien weitere Phasen bis 2022 notwendig, sagt Studienautor Stephen Kissler einem Bericht von Merkur.de zufolge.

Solange keine Behandlungsmethoden und kein Impfstoff gefunden worden sind, seien Kontaktsperren weiterhin notwendig, so die Forscher. Ihre Untersuchung basiert auf der Annahme, dass Covid-19 zukünftig saisonal auftreten könnte. Das heißt: Besonders in den Wintermonaten wäre mit einer hohen Zahl an infizierten Personen zu rechnen – ähnlich wie bei einer Grippe.

Ihre Forschungen haben die Wissenschaftler anhand Computermodellen berechnet und im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht. Wiederkommende massive Häufungen von infizierten Personen würden die Krankenhäuser überlasten, wie es jetzt vor allem in den USA der Fall ist. Soziale Distanz und Ausgangsbeschränkungen könnten die Infektionskurve abflachen und seien deshalb wohl immer wieder notwendig.

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Shutdown-Umfrage: Ökonomen sind gespalten

Das 28. Ökonomenpanel von ifo und FAZ widmet sich den wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Deutschland und auf europäischer Ebene. An der Umfrage nahmen 155 Ökonomen teil (Stand 2. April).

Rund 90 Forscher: Höchstens acht Wochen (2. April)

Ifo Institut und FAZ haben 155 Ökonomen gefragt, wie lange der Shutdown dauern darf, um die zu erwartende Corona-Rezession erträglich zu halten. Die Antworten sind sehr unterschiedlich ausgefallen. 57 Prozent der Befragten sind (siehe hinterlegtes Bild zu Details der Umfrage) der Ansicht, dass der Shutdown nach durchschnittlich acht Wochen beendet sein sollte. Das wären also knapp 90 der 155 Teilnehmer.

Die Mehrheit der Befragten ist demzufolge der Ansicht, dass danach die volkswirtschaftlichen Kosten zu hoch werden würden. Die Minderheit, rund ein Drittel, meinte dagegen, dass der Shutdown erst beendet werden darf, wenn die medizinische Versorgung für alle Bürger umfassend gesichert ist.

„Maximal 11 Wochen“

Ifo und FAZ stellen in der Auswertung dieser Frage zur Corona-Rezession fest: „Die am Ökonomenpanel teilnehmenden Ökonom*innen geben im Durchschnitt an, dass Deutschland den gegenwärtigen Shutdown maximal 11 Wochen durchhalten könne, bevor das Risiko einer wirtschaftlichen Destabilisierung zu groß werde.“ Hier wird also eine weitere Zahl eingeführt, die aus der Grafik der Umfrage nicht ersichtlich ist. Sie muss folglich auf einer Zusatzfrage beruhen.

Es entstehe gegenwärtig ein Tradeoff zwischen hohen wirtschaftlichen Kosten einer ausgeprägten Rezession und Gesundheitsrisiken, die bei einer Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen entständen, erklären die Autoren der Umfrage.

57 Prozent sprächen sich dafür aus, den gegenwärtigen Shutdown aufgrund der volkswirtschaftlichen Kosten schon nach durchschnittlich acht Wochen zu beenden, selbst wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend medizinische Behandlungsmöglichkeiten vorhanden seien. 95 Prozent der Antworten lägen zwischen 0 und 16 Wochen.

„95 Prozent liegen zwischen 0 und 24 Wochen“

„Allerdings sei die weitere Entwicklung mit großen Unsicherheiten verbunden und eine seriöse Berechnung daher nicht möglich“, stellen die Autoren in ihrer Einschätzung zur absehbaren Corona-Rezession fest. „Dementsprechend stark variieren die Schätzungen: Die Antworten reichen von 0 bis 50 Wochen und 95 Prozent liegen zwischen 0 und 24 Wochen.“ Dies bedeutet also, dass es derzeit kein übereinstimmendes Meinungsbild unter Ökonomen gibt.

Warum sind Wirtschaftswissenschaftler in der Vorhersage der Corona-Rezession so gespalten? Warum können sie der Politik keinen klaren Ratschlag geben? Einige Erklärungen liefert Professor Bert Rürup in einem Expertengespräch für den Handelsblatt Wirtschaftsclub.

Rürup über die Ratlosigkeit im Zuge der Corona-Rezession

Die Prognosen von Ökonomen zur Corona-Rezession gehen so weit auseinander wie nie zuvor. Warum?

Völlig neue Welt für Konjunkturforscher

“Dafür muss man wissen, wie Prognosen gemacht werden“, stellt Rürup fest. „Ökonomen versuchen seit fast 200 Jahren vorauszusagen, wie die gesamtwirtschaftliche Aktivität weiterlaufen wird. Da entwickelt man Modelle, die man testet an den Daten der Vergangenheit. Und wenn eine Wirtschaft beispielsweise in einer Aufschwungphase ist, dann kommen die Konjunktur-Prognostiker zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Das Bild zeigt eine Studie "Masterplan 2030", die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bert Rürup, dem Macher von DER CHEFÖKONOM, entstanden ist. Anzeige

Bis vor zwei, drei Wochen war die Welt noch halbwegs in Ordnung aus der Sicht der Konjunktur-Prognostiker. Da hatte man Wachstumsraten, die lagen relativ eng beieinander. Dann allerdings hat sich die konjunkturelle Welt durch die Corona-Krise völlig geändert.

Und deswegen haben alle Institute sehr schnell ihre Prognosen revidiert, und zwar sehr, sehr deutlich nach unten. Und insbesondere das Ifo Institut ist sehr weit zurückgegangen. Man arbeitet dort jetzt mit zwei Modellen.”

Das V-Modell: Kurze Corona-Rezession

Vor kurzem haben die Ökonomen noch darum vortrefflich gestritten, ob die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 0,8 oder sogar ein Prozent wachsen wird. Die Optimisten rechnen nun im Zuge der Corona-Rezession mit einem Wirtschaftseinbruch von nur 3,5 Prozent in diesem Jahr. Das Ifo-Institut hat sogar schon von minus 20 Prozent gesprochen, was ein gigantischer Einbruch wäre. Zur Erinnerung: Während der Finanzkrise 2008/2009, also im Jahr 2009 in der Rezession, ist die deutsche Wirtschaft um 5,7 Prozent gesunken. Was ist realistisch?

„Das weiß man in der frühen Phase einer Krise nicht“, antwortet Rürup. „Ein Modell ist nach dem Buchstaben “V” benannt. Man nimmt einen  starken Einbruch an, beispielsweise zwischen zwei und sechs Prozent, und im nächsten Jahr einen schnellen Aufstieg. Aber ob das V-Modell so funktioniert, das weiß man nicht.“

Das L-Modell: Lange Corona-Rezession

„Und deswegen macht man nebenbei noch ein L-Modell. Dann hat man einen relativ scharfen Abschwung. Und wann es wieder aufwärts geht, das weiß man nicht so genau. Deswegen bleibt es sehr flach. Und eine der pessimistischsten Prognosen stammt in der Tat vom Ifo Institut. Da wird für dieses Jahr im Worst-Case-Szenario ein Einbruch von 7,2 Prozent gesehen. Vorausgesagt wird also eine Rezession wie im Jahr 2009. In der Finanzkrise waren es 5,7 Prozent. Und im nächsten Jahr ja sogar minus 20,6 Prozent. Das wäre der größte Einbruch überhaupt in Deutschland. Selbst in der Weltwirtschaftskrise war der Einbruch im schlechtesten Jahr 1932 “nur” 18 Prozent. Das ist wirklich schon eine Doomsday-Prognose.“

Starke Einbrüche machen deutlich ärmer

Expertencall: Rürup und Schrinner über Prognosen für die Corona-Rezession
Expertencall: Bert Rürup und Axel Schrinner über die Corona-Rezession

Was bedeuten solche Einbrüche im Zuge der Corona-Rezession?

„Solche Einbrüche machen deutlich ärmer“, stellt Rürup fest. „Hier nur eine Faustregel: Wenn die Wirtschaft um zehn Prozent einbrechen würde, wäre das ein gesamtwirtschaftlicher Verlust von 330 Milliarden Euro. Im Klartext 4000 Euro pro Kopf. Das heißt also, der Einbruch, der sich jetzt abzeichnet, wird natürlich enden. Aber er wird uns alle merklich ärmer machen.“

Aufholen von Wachstumsverlusten? Nur teilweise!

Können die Verluste während des Shutdown aufgeholt werden?

„Wie stark ein Land Wachstumsverluste aufholen kann, hängt davon ab, ob eine Volkswirtschaft schwergewichtig eine Dienstleistungsökonomie ist oder ein Industriestaat“, stellt Rürup fest. „Wenn es im Dienstleistungsbereich einbricht, wird es etwas schwieriger, da weite Teile des dann wegfallenden Konsums nicht mehr nachgeholt werden kann.

Das heißt: die ganzen Restaurantbesuche, die Kinobesuche, die Taxifahrten und, und, und… die können nicht nachgeholt werden. Und sehr oft ist dann damit auch ein Konkurs der Anbieter verbunden. Und deswegen kann es durchaus sein, dass Staaten mit einem hohen Industriekern vielleicht sogar etwas schneller aus der Krise kommen werden als Staaten mit einem starken Dienstleistungsbereich.“

Hoffnungsschimmer: Deutschlands starker Industriekern

Rürup und Schrinner über Hoffnungswerte in der Corona-Rezession

Wo sind Nachhol-Effekte denkbar?

„Bei langlebigen Konsumgütern“, sagt Rürup. „Deswegen hofft man darauf, dass der starke Industriekern in Deutschland das Erholen der Wirtschaft etwas beschleunigen wird. Es ist eine Vermutung, die in der Vergangenheit eine gewisse Bestätigung gefunden hat. Aber ob das sein wird, das weiß man nicht.“

Vergleich: Millionen Tote durch Spanische Grippe

Gibt es in der Geschichte eine vergleichbare Situation?

„Wenn es überhaupt eine Situation bislang gegeben hat, die mit der derzeitigen zu vergleichen ist, dann ist es die Spanische Grippe“, erklärt Rürup. „Anfang des vergangenen Jahrhunderts, am Ende des Ersten Weltkriegs, 1918 bis 1920, da waren 43 Länder davon betroffen. Es gab 39 Millionen Tote. Umgerechnet hieß das: Jeder Dritte starb damals.

Im Durchschnitt beliefen sich die Wachstumseinbrüche ganz grob gerechnet auf sechs Prozent. Das ist vergleichsweise wenig im Verhältnis zu den Zahlen, die jetzt genannt werden. Aber ein Grund dafür war: In der damaligen Zeit wurden zwar die Schulen geschlossen, aber die Wirtschaft lief weiter.

Und das ist diesmal neu. Dieser Shutdown. Wie sich der mittel- und langfristig auswirkt, darüber kann man nur mehr oder weniger begründet spekulieren.“

Corona-Krise übersteigt alles Bekannte

Das Ifo-Institut veröffentlicht eine Studie, in der Szenarien für 2020 berechnet werden.

Ifo Institut mit Extremszenario (23. März)

Das Ifo Institut hat am 23. März seine Szenarien zur Corona-Rezession präzisiert. Dabei wurde angenommen, dass die Wirtschaft ein, zwei oder drei Monate teilweise stillsteht. „Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest.

Je nach Szenario schrumpft die Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte. Das entspreche Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro. Das Problem: Selbst nach teilweisen Stillstand dauert es mehrere Monate, bis das Wirtschaftsleben wieder richtig in Gang kommt.

Wenn die Wirtschaft zum Beispiel zwei Monate lang teilweise stillsteht, könnte die Wirtschaftsleistung dann im Jahr um 7,2 bis 11,2 Prozentpunkte schrumpfen. Bei drei Monaten Teilschließung gehen die Forscher folglich von noch stärkeren Einschnitten aus, also 10,0 bis 20,6 Prozentpunkten Wachstumsverlust.

Die Corona-Rezession hätte damit massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In den vom ifo betrachteten Szenarien könnten bis zu 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (oder 1,4 Millionen Vollzeitjobs) abgebaut werden und mehr als sechs Millionen Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen sein.

Professor Rürup: Extrem-Szenario ist „wenig wahrscheinlich“

„Ein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung in diesem Jahr Höhe von 7,2 Prozent liegt im Rahmen des von uns Erwarteten“, kommentiert Professor Bert Rürup die Ifo-Szenarien. „Der Einbruch im Worst-Case-Szenario in Höhe von 20,6 Prozent erscheint dagegen wenig wahrscheinlich.“

Denn wenn sich ein Absturz in solch einer bislang nicht gekannten Größenordnung abzeichnen sollte, würde die Bundesregierung ihre Restriktionen des Wirtschaftslebens zur Begrenzung der Ausbreitung des Virus wohl lockern und der wirtschaftlichen Entwicklung eine höhere Priorität beimessen.

Um sich eine Vorstellung eines Einbruchs von über 20 Prozent zu machen, helfe ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte. In der Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts ging die Gesamtleistung der deutschen Wirtschaft in 1930 um 7 Prozent, in 1931 um 16 Prozent und in 1932 um 17 Prozent.

„Aber im Gegensatz zu heute, wo die Regierung ökonomisch alles richtig macht, war damals die prozyklische Politik der Staaten der wohl wichtigste Grund für die Verfestigung dieser Krise“, stellt Rürup fest.

Weitere Prognosen von Ökonomen

Eine ganze Reihe von Einrichtungen haben erste Vorhersagen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung gemacht

DIW: „Es gibt keine verlässlichen Prognosen“

Wichtig ist bei der Betrachtung all dieser Zahlen, dass es sich bisher um recht grob gestrickte Szenarien handelt. „Es gibt keine verlässlichen Prognosen, wie stark die Wirtschaft betroffen sein wird“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Er warnte vor einem Überbietungswettbewerb für das schlimmste Rezessionsszenario. „Ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im Jahr 2020 um 20 Prozent ist denkbar, es könnte aber auch deutlich milder oder deutlich stärker sein“, sagte er dem Handelsblatt am Montag.

Der alles entscheidende Faktor für die Wirtschaft sei: Zeit. Fratzscher befürchtet allerdings inzwischen, dass die deutsche Wirtschaft nicht in vier Monaten wieder zu 100 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität wird produzieren können, sondern dass dies erst nächstes oder übernächstes Jahr der Fall sein könnte.

Commerzbank: Zweite Quartal wird „grottenschlecht“

Auf den ersten Blick sei das Ifo-Geschäftsklima für März nach Berücksichtigung aller Antworten kaum stärker eingebrochen (86,1 statt 87,7) als am vorherigen Donnerstag gemeldet, stellte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Mittwoch, 25. März, fest. „Aber nach unseren Berechnungen ist die Stimmung der Unternehmen, die seit Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen geantwortet haben, viel stärker gefallen.“

Alles in allem sei der Einbruch des Geschäftsklimas ausgeprägter als nach der Lehman-Pleite im September 2008, die der Auftakt für die schwere Rezession des Jahres 2009 war. Das zweite Quartal dürfte daher „grottenschlecht“ werden.

„Der weitgehende Stillstand von Hotels, Restaurants, Einzelhandel und Luftverkehr sowie der Produktionsstopp in der Autoindustrie und die Probleme in anderen Branchen könnten das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um 7,5 Prozent einbrechen lassen.“

Sparkassen: BIP-Absturz von bis zu zehn Prozent

Die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Landesbanken, Sparkassen und der DekaBank gehen von einem seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gekannten Wirtschaftsabschwung in diesem Jahr aus. So werde das BIP in Deutschland im Jahr 2020 zwischen drei und zehn Prozent je nach Dauer der Pandemie abstürzen.

Im nächsten Jahr dürften bei hoffentlich erreichter Eindämmung der Pandemie und eventuell mit einem bis dahin gefundenen Impfstoff die meisten Volkswirtschaften wieder wachsen. Über Nachholeffekte könnte das Wachstum zusätzlich beschleunigt werden, stellen die Volkswirte der Sparkassengruppe am 26. März fest.

Bundesbank: „Ausgeprägte Rezession“

Das Abgleiten in eine ausgeprägte Rezession sei nicht zu verhindern, stellt die Bundesbank im Monatsbericht für März fest (Stand: 23. März 2020). Eine wirtschaftliche Erholung werde erst dann einsetzen, wenn die Pandemiegefahr wirksam eingedämmt ist.

Vor diesem Hintergrund sei „die konjunkturelle Entwicklung von beispielloser Unsicherheit gekennzeichnet“. Aktuelle Umfragen, etwa des Ifo-Instituts, deuteten darauf hin, dass die deutschen Unternehmen inzwischen erheblich unter den Folgen der Pandemie leiden.
Auch einige mit besonders kurzer zeitlicher Verzögerung verfügbare Indikatoren wie beispielsweise die stark rückläufigen Restaurantreservierungen sowie sinkende Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt deuten in diese Richtung.

„Voraussichtlich werden die Auswirkungen der Pandemie die Wirtschaftsleistung mindestens in der ersten Jahreshälfte massiv beeinträchtigen“, stellt die Bundesbank weiter fest. Die Aktivität dürfte in vielen Sektoren erheblich zurückgehen, mit der Folge einer wohl „empfindlichen gesamtwirtschaftlichen Unterauslastung“.

Zuvorderst seien die wirtschaftlichen Folgen in Deutschland zu nennen. So dürften das Gastgewerbe und die Unterhaltungsbranche, aber auch Messebetriebe und Luftfahrtunternehmen stark von sinkender Nachfrage und vorsorglichen Schließungen betroffen sein. Hinzu träten Ausstrahleffekte aus dem Ausland, unter denen vor allem die Exportwirtschaft und damit die Industrie leide.


Erste Prognosen waren noch moderat (19. März)

Corona-Rezession in Deutschland: Konjunkturprognosen am 19. März
Konjunkturprognosen von DIW, IfW und Ifo, Stand: 19. März 2020

Die Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung gingen bereits am 19. März so weit auseinander wie selten zuvor. Die Handelsblatt-Korrespondentin Donata Riedel fasst die Lage zur Corona-Rezession in Deutschland daher so zusammen: „Die Wirtschaftswissenschaftler sehen sich im Dilemma.“

Denn: Unternehmer und Manager sehnen sich nach belastbaren Einschätzungen darüber, wie sich die Wirtschaft in der Coronakrise entwickeln wird: Wie tief wird die Rezession? Wie lange dauert sie? Und helfen die Programme der Regierung, Ausfälle auszugleichen?

„Nur: Vieles ist fast unkalkulierbar“, analysiert die Handelsblatt-Expertin. Dennoch geben die Institute Vorhersagen ab, allerdings in einer größeren Bandbreite denn je und in mehreren Denkschablonen, den Szenarien.

Die Prognosen des DIW

Das V-Szenario unterstellt einen ähnlichen Verlauf der Virusausbreitung unterstellt wie bei vergangenen Epidemien, etwa der Schweinegrippe, SARS oder der Vogelgrippe. Nachdem es steil bergab ging, normalisieren sich die Produktion und der Konsum relativ bald, nachdem es gelungen ist, das Virus einzudämmen. Im aktuellen Fall wäre dies in der zweiten Jahreshälfte.

Selbst in diesem – eher optimistischen – Szenario würde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr unter dem Strich aber schrumpfen, um 0,1 Prozent. Die Corona-Krise würde in diesem Fall ein um rund 1,3 Prozentpunkte geringeres Wachstum nach sich ziehen, erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Das wesentlich schlimmere Szenario gleicht einem L-Verlauf. Wenn das Virus zeitlich und räumlich noch weitaus größere Kreise zieht, geht es „steil bergab, Produktion und Konsum normalisieren sich nicht, sondern verharren auf dem geringeren Niveau“. Für das L-Szenario nennt das DIW derzeit keine Zahlen.

IfW erwartet starke Corona-Rezession

Wesentlich drastischer sind Zahlen des Instituts für Weltwirtschaft aus Kiel. Demzufolge fällt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 4,5 Prozent, sofern die derzeitige Stresssituation bis Ende April andauert und sich dann ab Mai allmählich entspannt.

Dies wäre ein Rückgang der Wertschöpfung von 150 Milliarden Euro. Setzt die Erholung erst drei Monate später im August ein, würde das deutsche BIP um 8,7 Prozent fallen.

Im Kieler V-Szenario lassen die dämpfenden Maßnahmen ab Mai allmählich nach, und die Corona-bedingten Produktionsausfälle klingen binnen sechs Monaten ab.

Das U-Szenario sieht vor, dass die Erholung erst im August einsetzt und die Produktion in den verschiedenen Branchen erst zu Beginn des kommenden Jahres auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehrt.

Die Einschätzung des Ifo Instituts

Das ifo Institut betrachtete in der Vorwoche noch ein sehr günstiges Szenario mit minus 1,5 Prozent Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020. Dabei sind aber nur kleinere Einschränkungen in der Industrie berücksichtigt.

In einem zweiten Szenario, das größere Produktionseinschränkungen unterstellt, schrumpft die Wirtschaftsleistung um 6 Prozent, stellte das Institut fest.

Der ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser stelle fest: „Es gibt keine historischen Erfahrungen mit vergleichbaren Ereignissen, aus denen wahrscheinliche Krisenverläufe abgeleitet werden könnten.“

Es ständen aktuell nur sehr wenige Konjunkturindikatoren zur Verfügung, mit denen sich das gesamtwirtschaftliche Ausmaß der Folgen der Corona-Krise abschätzen ließe. Die meisten aktuell verfügbaren Indikatoren spiegelten bestenfalls die Lage im Februar wider.

„Der historische Absturz des ifo Geschäftsklimas im März deutet allerdings darauf hin, dass der Konjunktureinbruch im zweiten Quartal alles Bisherige übertreffen wird.“


Professor Rürup analysiert die Lage

Corona-Rezession in Deutschland: Rürup über Konjunkturprognosen, 20. März 2020
Rürup über Konjunkturprognosen, 20. März 2020

Das Video vom 20. März

„Es braucht ein kleines Wirtschaftswunder, um die Verluste zu kompensieren“, kommentiert Professor Bert Rürup diese Vorhersagen im Handelsblatt-Video am 20. März 2020.

Das Problem: Wie schnell kommt es 2020 und 2021 zu einem Aufschwung? Das ist schwerer als in der Finanzkrise abzuschätzen, weil wesentlich mehr Bereiche der Wirtschaft betroffen sind als 2008/09. Insbesondere die Konsumnachfrage dürfte deutlich einbrechen, wobei manche Geldausgaben ja nicht nachgeholt werden können.

Rürup glaubt, dass die Politik alles Mögliche tun wird: „Geld spielt diesmal keine Rolle.“ Deutschland befinde sich aufgrund der vergangenen Jahre und der soliden Schuldenpolitik in „einer höchst komfortablen Situation“.

Rürups Pessimismus hat sich bestätigt

Eine Woche zuvor, am 12. März, hatte Rürup bereits die pessimistischere Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als die realistischere bezeichnet.

Die OECD prognostizierte eine Halbierung der globalen Wachstumsrate, wenn es nicht gelingt, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Das allein ist schon deutlich. Hinzu kam da schon eine Prognose des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, in der von einer Rezession in Deutschland die Rede war.

Wie groß die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Rezession in Deutschland wirklich werden könnten und wie die Angst vieler Menschen die Wirtschaft beeinflusst, darüber spricht Bert Rürup im Video.

Angst trifft Wirtschaft: Das Video am 12. März

Rezession in Deutschland: So lange könnte sie dauern. Ein Video mit Professor Bert Rürup
Rürup über Konjunkturprognosen, 12. März 2020

Das Kieler Institut verbreitet aus der Sicht von Rürup immer noch eine positive Prognose. Denn erwartet wird ein V-Verlauf. Es geht also erst stark runter, aber dann auch schnell wieder hoch. „Eigentlich ein optimistischer Verlauf“, urteilt der Präsident des Handelsblatt Research Institute.

„Die Kieler Kollegen prognostizieren ein Minus von 0,4 Prozent im ersten Vierteljahr und ein Minus von einem Prozent im zweiten Quartal“, erläutert Rürup. Im zweiten Halbjahr gehe wieder hoch mit 0,9 und 1 Prozent. In der Summe ergibt sich ein schwacher Rückgang von nur minus 0,1 Prozent. „Das kann so sein, aber es muss nicht so kommen“, urteilt Rürup.

Denn Deutschland ist ja sehr extrem in die internationale Arbeitsteilung eingeklinkt. Diese Prognose setzt daher voraus, dass auch die anderen Länder mit den Konsequenzen von Corona gut zurechtkommen. Auch da sagt er: „Das kann so sein, aber es muss nicht so kommen.“

Auf jeden Fall sei die deutsche Politik gefordert. Denn: Die Menschen haben Angst vor Corona. Und die Wirtschaft leidet unter dieser Angst der Menschen, insbesondere um ihren Arbeitsplatz. Das führt zu Konsumzurückhaltung. Und zur Angst der Unternehmen, dass ihnen die Arbeitsplätze und die Aufträge wegbrechen. „Da muss die Politik etwas dagegen tun. Das geht nicht mit einem klassischen Konjunkturprogramm.“

Wie beeinflusst die Angst der Menschen die Wirtschaft?

„Die Angst der Menschen beeinflusst zunächst einmal den privaten Konsum. Sie kaufen wenig, und der private Konsum ist die wichtigste Komponente im Bruttoinlandsprodukt.

Die Weltwirtschaft kommt ins Spiel, weil Deutschland sehr Waren in das Ausland exportiert. Dass deutsche Produkte im Ausland also nicht mehr nachgefragt werden.

Aber mindestens genauso wichtig ist und darunter werden wir noch leiden: Das sind die Vorprodukte, die für die deutsche Produktion wichtig sind, an die deutsche Unternehmen wegen der Unterbrechung der Lieferketten gar nicht mehr rankommen.“

Wie kann die Politik die Corona-Rezession abmildern?

Die deutsche Politik kann nicht das Ausland beeinflussen. Die deutsche Politik kann nur auf die Unternehmen einwirken, dass sie möglichst keine Arbeitsplätze abbauen und Kurzarbeitergeld zahlen.

Die Regierung kann also die Einkommenssituation der Beschäftigten sichern, damit sie weiter konsumieren. Das ist die wichtige Aufgabe in der globalen Finanzkrise. 2008 und 2009 hat das hervorragend funktioniert.

Ich hoffe, es wird nun ähnlich gelingen. Aber die Gewissheit kann man in der Tat nicht haben.“

Was genau kann und muss die Politik tun?

„Zunächst einmal muss sie Anreize für die Unternehmen setzen, damit diese keine Arbeitsplätze abbauen. Nämlich wenn ein Arbeitsplatz von einem Unternehmer abgebaut wird, kommt dieser ganz selten und ganz schwierig zurück. Das bedeutet beispielsweise, dass man längere Stundungsmöglichkeiten für Steuern gibt oder dass man Anreize setzt, das zu viel gezahlte Steuern, was eigentlich rechtlich schon möglich ist, zurückgezahlt werden müssen.

Man kann dort eine ganze Menge machen, um dann gegebenenfalls sogar so weit gehen bei großen, wichtigen Unternehmen, dass der Staat sich an Unternehmen, an extrem wichtigen allerdings nur, beteiligt.

Das heißt, man muss die Sicherheit produzieren, dass das Unternehmen diesen Einbruch überlebt. Und gleichzeitig muss man den Konsumenten, den Menschen, die Angst davor nehmen, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren, dass sie ihr Verhalten nicht sonderlich ändern. Und das geht nicht mit dem traditionellen Konjunkturprogramm.“

Der Chefökonom

Der Chefökonom

9 Gedanken zu “Corona-Rezession in Deutschland: Droht eine systemische Krise?

  1. Ist eine Rezession von 2 bis 4 % die von einem 10 jährigen ständig wachsenden WIRTSCHAFT wirklich so schlimm? Wir werden auch dieses überstehen und gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Billionen an Hilfsgeldern die in den Markt gepumpt werden den Trend aus der Rezession ebenfalls unterstützen. Wir sollten aber mal wirklich fragen ob Wirtschaftswachstum das Allheilmittel ist weniger ist oft mehr. Umwelt und Klimawandel sollten uns viel mehr beunruhigen.
    Grüße Alberto Milani

  2. Wir sollten grundsätzlich weniger auf Wirtschaftswissenschaftler setzen und keine weitere Zeit mit solchen Prognosen vergeuden, sondern viel mehr Raum den Naturwissenschaften einräumen und nachfolgende Generationen für derartige Fächer begeistern.Hier sollten die Schwerpunkte zukünftig gesetzt werden.
    Es ist doch offenkundig, dass diese Pandemie einen massiven Wohlstandsverlust zur Folge haben
    wird, deren Höhe ohnehin erst in der Rückschau ersichtlich ist. Hier sollte ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel erfolgen, indem Naturwissenschaftler aller Fachrichtungen und nicht Leute im Finanzwesen und in der Konsumindustrie die dicksten Schecks nach Hause bringen. Die Wertschätzung dieser Arbeit und der volkswirtschaftliche
    Nutzen von Naturwissenschaften sollte zukünftig mehr im Vordergrund stehen.

  3. Dr. Lauterbach zitiert Dr. Lipsitch meiner Meinung nach „a little bit too biased“.

    Dr. Marc Lipsitch ist Biomathematiker und entwickelt Computerprogramme zur Modellierung von Pandemien und post-pandemischen Transmission-Szenarien. Er stellt seine Modelle völlig wertneutral dar und gibt niemals partikuläre Prognosen oder gar „Ratschläge“ von sich. Vielmehr stellt er immer mehrere mögliche Prognosen vor, die aus seinen biomathematischen Modellen deduziert werden können.

    In der Studie (Projecting the transmission dynamics of SARS-CoV-2 through the post-pandemic period, Lipsitch et al. Howard TH Chan School of Public Health, Boston, MA,USA; Pre-Print erschien im März 2020) auf welche sich Dr. Lauterbach bezieht, werden insgesamt vier (in einer erweiterten Fassung sechs) mögliche postpandemische „Szenarien“ vorgestellt. Ein Szenario zeigt keine weitere Welle, ein anderes ein kleines „Wellchen“, wieder ein anderes zeigt einen biennalen Verlauf mit mehreren im 2-Jahres-Rhythmus stattfindenden Wellen, ein weiteres eine zweite Welle in vier Jahren.

    Ich bin selbst Wissenschaftler (Immunologe/Allergologe) und habe in hochrenommierten Jounals publiziert (u.a. im Journal of Clinical Investigation, European Journal of Immunology und Blood). Ich finde es entsetzlich wie derzeit falsch aus der biomedizinischen Fachliteratur zitiert wird (auch Herr Prof. Drosten macht da keine rühmliche Ausnahme) und wie der einst sachlich geführte wissenschaftliche Dialog zu einem „Pfauenrad-Aufspann-Wettbewerb“ degeneriert.

    Auch finde ich es geradezu infam, wie verdiente Wissenschaftler, wie z. B. Herr Prof. Dr. Sucharit Bakhdi, in der Presse in die Nähe von Verschwörungstheoretikern manövriert werden. Ihm wurde uu. a. vorgeworfen, er sei ja kein Virologe. Korrektur: Er hat auch wissenschaftlich über einen immunpathogenen Mechanismus bei viralen Infektionen publiziert, er ist promovierter, habilitierter und mehrfach ausgezeichneter Mikrobiologe. Virologie ist ein Teil der Mikrobiologie. Dr. Bhakdi HAT AHNUNG von Virologie, ob das Herrn Dr. Drosten nun passt oder nicht!

    Ich bin weder Politiker noch Ökonom, sondern Naturwissenschaftler, aber ich teile die Sorgen und Bedenken der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft., Die Folgen eines längeren Lockdowns sind möglicherweise weitaus katastrophaler, auch und gerade unter dem Aspekt der Volksgesundheit betrachtet, als folgen der Pandemie selbst.

    Man muss übrigens kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass Armut und Massenarbeitslosigkeit mindestens genauso tödlich sind wie humanpathogene Betacoronaviren

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