Wirtschaftsfaktor Fußball: Wie Corona die Existenz der Bundesliga gefährdet

Wirtschaftsfaktor Fußball: Wie Corona die Existenz der Bundesliga gefährdet

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Wirtschaftsfaktor Fußball: Zweitrangig für eine Konjunkturerholung, doch die Strahlkraft des Spiels sorgt in der Politik für besondere Aufmerksamkeit. Zumal in der mittelständisch geprägten Branche viele schwache Klubs agieren, deren Existenz durch die Corona-Krise akut gefährdet ist.

Die wirtschaftliche Krise der Bundesliga im Mai 2020

Innerhalb von nur drei Monaten hat sich die Fußballwelt und das Geschäftsmodell der Bundesliga grundlegend verändert. „Der Verband der Profiklubs kämpft in der Coronakrise mit einer ökonomischen Schieflage. Gleich 13 Klubs stehen am Rande des Ruins. Man hat zu wenig Rücklagen und sich mit teuren Transfers von Spielern übernommen“, stellen die beiden Handelsblatt-Sportexperten Diana Fröhlich und Hans-Jürgen Jakobs in einer Analyse der Lage fest.

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Ein wenig Linderung bringt zwar die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs Mitte Mai, zu der sich die 16 Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einstimmig entschlossen haben. Es sind, mitten in der Pandemie, neun Spieltage bis Ende Juni zu absolvieren – neben Spielen im Pokal und in europäischen Wettbewerben.

Insolvenzszenarien kursieren

Doch Insolvenzen einzelner Klubs bleiben ein Thema. „Wenn wir bis zum 30. Juni nicht fertig sind, dann wird eine ganze Reihe von Klubs in Insolvenzszenarien reinrutschen“, warnt daher Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

Mit dem politischen Plazet verbessert sich die Liquidität der deutschen Profiklubs, da mit dem Wiederanpfiff eine letzte Rate des Pay-TV-Betriebs Sky Deutschland in Höhe von 230 Millionen Euro für Übertragungsrechte fließt.

Nach zähen Gesprächen hat der Pay-TV-Betrieb Sky das Rettungsgeld als letzte von vier Raten für Übertragungsrechte also in der unterbrochenen Saison vorzeitig gewährt – das sind 80 Prozent des eigentlich verabredeten Betrags von rund 300 Millionen, der bei einem normalen Saisonverlauf eigentlich erst einige Wochen später fällig gewesen wäre.

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Medienerlöse machen allein 36 Prozent des DFL-Umsatzes aus. Die Liga-Vereinigung überweist jedoch nach Informationen des Handelsblatts erst mal nur ein Viertel dieser Summe. Der Rest verbleibt ihr, um etwaige Ansprüche anderer oder neue Notlagen auszugleichen.

Aus den Gesprächen des Handelsblatts mit Klubverantwortlichen ergibt sich, dass die meisten bis Ende 2020 mit „Geisterspielen“ ohne Zuschauer rechnen. Damit fehlen Erlöse aus Ticketverkäufen, Merchandising und auch Sponsoring.

Vereine in der Existenzkrise

„Zugleich legt die akute Krise ökonomische Schwachstellen des Systems bloß, das mit Kurzarbeit und Gehaltsverzicht, auch der Profis, reagiert hat“, kommentiert Handelsblatt-Autor Hans-Jürgen Jakobs die aktuelle Lage des Wirtschaftsfaktors Fußball. „Vielen steht das Wasser bis zum Hals“, sagt der Aufsichtsrat eines Erstligisten. Es fehlen nun Erlöse aus Ticketverkauf, Sponsoring und Merchandising.

Schalke 04 etwa beschreibt Jakobs als „einen Klub mit 200 Millionen Euro Schulden und 26 Millionen Verlust. Man hatte sich einfach, mit der Sicherheit künftig fließender TV-Raten von Sky, üppige Kredite besorgt.“

Mit einem Bettelbrief hätten die Schalker zuletzt ihre Fans um Geld gebeten. Käufer von Logen, Tagestickets oder Dauerkarten sollten demzufolge auf die Erstattung der Geisterspiele verzichten.  Schalke plane nun, nach einem üblichen Modell, die Fußballprofis aus dem eingetragenen Verein in eine gesonderte Firma auszulagern. So könnte man auch Notkredite von der Staatsbank KfW erhalten, die Vereinen nicht helfen kann. Hertha BSC Berlin dagegen, von Investor Lars Windhorst gut alimentiert, soll etwa 20 Millionen von der KfW erhalten.

Insgesamt gelten 13 der 36 Profiklubs als insolvenzgefährdet, berichtet Jakobs. Darunter seien Namen wie Schalke, Paderborn und Mainz aus der ersten Liga, vor allem aber Zweitligisten. Der Karlsruher SC diskutiere bereits über eine Insolvenz in Eigenverwaltung, es fehlten fünf bis zehn Millionen Euro, um die Gehälter zahlen zu können.

 „Die Liga ist wie ein Junkie“

Für etwaig nötige Kredite hat die DFL die japanische Investmentbank Nomura gewonnen. Die Liga sei wie ein „Junkie“, der sich an die Droge Geld gewöhnt habe und nun mit einer neuen Budgetpolitik und Einsparungen auf Entzug gehen müsse, urteilt ein langjähriger Erstliga-Manager.

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Es stellen sich jenseits solcher Finanzdeals aber noch ganz andere Fragen beim Thema Wirtschaftsfaktor Fußball. „Die Bundesliga war eine Schönwetterveranstaltung“, wettert ein Klub-Manager, „man organisierte sich Geld und verheizte es für Transfers. Dieses Modell ist ausgereizt.“

Ein Notfallfonds beim DFL ist genauso im Gespräch wie Gehaltsdeckelungen oder eine noch stärkere Beachtung von Nachwuchsquoten zur Förderung von Spielern aus der eigenen Jugend der Klubs.

Gratwanderung beim Neustart

Von einer „Gratwanderung“ beim Neustart spricht Seifert: „Die Politik vertraut uns und wir – vor allem die Spieler – müssen jetzt Vorbild sein.“ Zuletzt hatte sich auch DFL-Manager Seifert für Gehaltsobergrenzen erwärmt. Er dankt nun der Politik für ihr Vertrauen. Ihre aktuelle Entscheidung sei eine „gute Nachricht für die Bundesliga“ – und verbunden mit einer großen Verantwortung für die Klubs.

Sportmarketingexperte Peter Rohlmann befürwortet den Liga-Start: „Der Profifußball stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, der ähnlich wie andere Wirtschaftszweige ein Anrecht auf eine dosierte Wiederaufnahme seines Geschäftsbetriebs hat.“

Die Hoffnung aller Beteiligten lassen die Handelsblatt-Autoren den Experten so ausdrücken: Sollte die Saison zu Ende gespielt werden, könnten „schwerwiegende Einschnitte in den Profifußball, etwa die Insolvenz einzelner Vereine, wohl vermieden werden“.

Wirtschaftsfaktor Fußball in der Infografik

Wirtschaftsfaktor Fußball: Ein Bild, das einen Fußballer zeigt, der einen Corona-Ball treten will. Infografiken sind hinterlegt.
Wirtschaftsfaktor Fußball in der Corona-Krise

Die Coronakrise hat die Fußball-Bundesliga mit voller Wucht getroffen. Bei den Proficlubs herrscht Existenzangst. Wem die größten Wertverluste im Kader drohen.

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https://www.handelsblatt.com/unternehmen/dienstleister/coronakrise-virtuelle-wuerstchen-und-geistertickets-sollen-den-amateurfussball-retten/25806900.html

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/dienstleister/dfl-chef-christian-seiferts-sanfte-lobbyarbeit-hat-sich-ausgezahlt/25809894.html

https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/lifestyle/europameisterin-im-interview-gesa-krause-ein-jahr-ohne-medaillen-ist-ein-jahr-in-dem-mir-am-ende-geld-fehlen-wird/25798718.html

Buch zur Krise: Wirtschaftsfaktor Fußball und Corona

Manche Bücher entstehen in der Corona-Krise in rasender Geschwindigkeit. Neues Material gibt es ja genug. Das gilt auch für den Fußball. Der Journalist Lars M. Vollmering hat im gerade erschienen Buch „Wir stellen fest, was wirklich zählt“ aufgeschrieben, „wie Corona unseren Fußball verändert“.

Darin beschreibt Vollmering in flotter Sprache auch einige wirtschaftliche Entwicklungen. „Dies hier ist eine erste Bestandsaufnahme“, sagt der Autor selbst im Vorwort. „Sie zeigt, wie das Virus den Fußball bereits verändert hat und – während Sie diese Zeilen lesen – weiter verändern wird.“ Einige Beispiele aus dem Buch.

Der Schaden ist gewaltig

Die massiven Unterschiede zwischen den Klubs treten angesichts der Krise noch deutlicher hervor, stellt der Autor fest. Corona könne mindestens 13 der 36 Profiklubs in die Insolvenz treiben, schreibt das Fachblatt der Kicker. Die wirtschaftliche Lage vieler Vereine in der Bundesliga und in der zweiten Liga sei dramatischer als bisher bekannt. Es drohe ein Schaden von mindestens 750 Millionen Euro.

Vereine kämpfen ums Überleben

DFL-Chef Christian Seifert stellt fest, dass mehr auf dem Spiel steht als ein paar Fußballspiele: „Es geht ums Überleben.“ Vor allem das drohende Wegbrechen von TV-Einnahmen durch den Ausfall der Spiele wird von der Mehrheit der Klubs als wirtschaftliche Katastrophe angesehen. Im Wesentlichen geht es um die letzte Rate an TV-Geldern, die vom Bezahlsender Sky an den Ligaverband noch aussteht: 304 Millionen Euro. Diese Summe hätte Anfang April zur Auszahlung angestanden – wenn in erster und zweiter Liga gespielt worden wäre.   

Die Bedeutung der Branche

DFL-Chef Christian Seifert warnt, dass hinter den Profis mehr als 56.000 Arbeitsplätze stehen. Allerdings leuchtet es vor allem den betroffenen Branchen von der Gastronomie über den Zulieferbetrieb bis hin zum Einzelhandel nicht ein, weshalb ausgerechnet die Glitzerbranche Profifußball schon frühzeitig in der Corona-Krise um Hilfe ruft.   

Der Spiegel-Redakteur Peter Ahrens rechnet dagegen vor, dass der Wirtschaftsfaktor im Fußball überschätzt wird. Der Gesamtumsatz der Bundesliga 2019 lag laut DFL-Wirtschaftsreport bei 3,81 Milliarden Euro. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland betrug zur gleichen Zeit etwa 3,44 Billionen Euro. Der Bundesliga-Fußball machte demnach nur 0,11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Autoindustrie dagegen liege bei vier Prozent des BIP.

Das Bild zeigt eine Studie "Masterplan 2030", die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bert Rürup, dem Macher von DER CHEFÖKONOM, entstanden ist. Anzeige

Kurzarbeit und Gehaltsverzicht

Die Klubs schicken ihre Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Zusätzlich verhängen zahlreiche Vereine mehr oder weniger offiziell einen Ausgabestopp. Viele Spieler verzichten freiwillig auf Teile ihres Gehalts. Im Schnitt verdient ein Bundesligaprofi etwas über 1,5 Millionen Euro. Allerdings sind die Unterschiede zwischen Branchenprimus FC Bayern (Durchschnittsverdienst 8,1 Millionen Euro) und Tabellenschlusslicht Paderborn (420.000 Euro) immens.

Ein Solidaritätsopfer der vier starken Klubs

Die deutschen Champions-League-Teilnehmer Bayern München, Bayer 04 Leverkusen, RB Leipzig und auch Watzkes Klub Borussia Dortmund legen zusammen. Sie spenden 20 Millionen Euro.

Das Geld ist für die Härtefälle unter den Klubs der ersten und zweiten Bundesliga bestimmt, die durch Corona in Schieflage geraten könnten. An wen das Geld schließlich ausbezahlt wird, diese Entscheidung legen die vier Vereine in die Hände des DFL-Präsidiums.

BVB-Aktionäre gehen dieses Mal leer aus

Zwischen fünf und zehn Cent bewegt sich seit 2012 die Dividende, die Deutschlands einziger börsennotierter Erstligist seinen Aktionären als Gewinnanteil jährlich ausgeschüttet hat. Bei 92 Millionen Stückaktien errechnet der Kicker eine Gesamtausschüttung von 5,4 Millionen Euro an die Shareholder von Borussia Dortmund.

Doch für das Jahr 2020 wird das nichts. Beobachter gehen davon aus, dass angesichts der Corona-bedingten Einnahmeausfälle ein dickes Minus hinter dem Geschäftsjahr stehen wird. Allein den größten BVB-Anteilseignern, dem Konzern Evonik Industries und dem Unternehmer Bernd Geske, könnten so mehr als eine halbe Million Euro entgehen, so der Kicker.

Sponsoring ist Luxus

Corona legt das Geflecht von Abhängigkeiten, Verbindungen, finanziellen Kooperationen, Sponsorenverpflichtungen und globalisiertem Big Business offen. Das Virus zeigt damit, wie verletzlich der Wirtschaftsfaktor Fußball in dieser Krise ist.

Haching-Präsident Manfred Schwabl stellt fest: „Sponsoring ist Luxus.“ Das gilt nicht nur auf Drittliga-Ebene, wo die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie immer spürbarer werden. Sie schlagen auch in die oberen Etagen des Fußballs durch.

Die Sponsorenvereinigung S20 denkt nun über individuell mögliche Szenarien und denkbare Handlungsoptionen nach. S20 ist eine Gruppe einflussreicher und namhafter Sponsoren, darunter Adidas, Telekom, Bayer und Mercedes- Benz. Sponsoren sind durch das Virus meist gleich doppelt betroffen. Weil der von ihnen unterstützte Verein nicht spielt, gibt es für den Sponsor keine öffentliche Aufmerksamkeit. Gleichzeitig sind die Geldgeber wirtschaftlich selbst von Corona betroffen.

Das Buch

„Wer von dieser Dokumentation Vollständigkeit erwartet, den können wir nur enttäuschen“, stellt Thomas Lötz von der Verlag Die Werkstatt fest. „Wir wollten auch nicht das Sittengemälde einer moralisch verkommenen Fußballindustrie zeichnen. Unser Ansatz ist viel schlichter gewählt: eine Momentaufnahme. Am Beispiel des deutschen Profifußballs, der, da bin ich mir sicher, nicht mehr der sein wird, als den wir ihn kennengelernt haben.“

Das E-Book ist ab sofort im Handel. Es kostet 9,99 Euro und steht auf den gängigen E-Book-Plattformen zum Download bereit. Eine aktualisierte Print-Version wird im Juni in den Handel kommen.

Vor der Krise: Fußball als Wirtschaftsfaktor 2019

Mitte Februar war die Welt der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in schönster Ordnung. Der Wirtschaftsfaktor Fußball präsentierte sich in voller Blüte. Der „Wirtschaftsreport 2020“ reihte Superlativ an Superlativ. Der Gesamtumsatz der 36 Erst- und Zweitligisten stelle mit 4,8 Milliarden Euro „einen historischen Höchstwert“ dar, erklärte Christian Seifert, Geschäftsführer und Sprecher des DFL-Präsidiums. 56:000 Jobs seien entstanden.

Entscheidend für die finanzielle Lage der Bundesliga sind die Senderechte. Das deutsche Profifußballgeschäft speist sich inzwischen zu einem Drittel aus solchen Medienerlösen, sie tragen sagenhafte 65 Prozent zum Wachstum bei – und zum neuen Rekordumsatz von 4,42 Milliarden Euro. Das weist die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in ihrem „Wirtschaftsreport 2019“ für die abgelaufene Saison der Ersten und Zweiten Bundesliga aus, der dem Handelsblatt vorliegt.

Eng verknüpft mit dem Medienerfolg sind Zahlungen von Sponsoren und Werbepartnern, die sich in der Ersten Liga auf 872 Millionen summieren. Nur die englische Premier League spielt insgesamt mehr ein. Das viele Geld von Hauptfinancier Sky, Eurosport, ARD und anderen haben die Klubs für hohe Ablösesummen von Spielern gebraucht, die internationalen Erfolg garantieren sollen.

Gesamtrendite der Bundesliga ist gesunken

Makabre Folge: Trotz eines nie da gewesenen TV-Umsatzbooms sinkt die Gesamtrendite der deutschen Bundesliga stetig – von 6,3 Prozent (2015/16) über 4,4 auf nun 2,7 Prozent. Gewinn: gerade mal 102 Millionen Euro.

Die erhöhten Abschreibungen auf Spieler, plus teils astronomische Gehälter, fressen die gewachsenen Betriebsgewinne auf, stellt Handelsblatt-Autor Hans-Jürgen Jakobs fest. Und der Faktor bleibe gewichtig: Mit 1,19 Milliarden Euro liege das Spielervermögen der Klubs erstmals über dem Gesamtwert der Stadien und Klubbauten. „Der wahre Konkurrenzkampf besteht darin, Spieler billig zu kaufen und teuer zu verkaufen – sowie die mächtigen Spielerberater zu charmieren“, so Jakobs.

Steckt der Wirtschaftsfaktor Fußball in einer Krise? Geht die Kommerzialisierung zu weit? Das sei eine „Fehlinterpretation“, entgegnet Liga-Chef Seifert. Viele Zuschauer könnten sich Dauerkarten leisten, und wenn dann ein schwächerer Gegner komme, gehe man eben auch mal nicht hin. „Wir brauchen die Fans – sowohl auf den Stehplätzen als auch in den Business-Lounges oder vor dem Fernsehgerät“, sagt er. Mit vollen Stadien allein gebe es keinen Weltklassefußball.

Der Glaube an eine Bonanza im Mediengeschäft

Bundesliga-Kenner Jakobs stellt fest: „An eine Bonanza im Mediengeschäft glaubt – alles wie gehabt – Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Die Rechte werden noch explodieren. Die wichtigsten Player sind noch gar nicht im Spiel.“ Der deutsche Rekordmeister repräsentiert die Beletage im Fußballkapitalismus, der Klub bewegt sich, auch dank einer intensiven Auslandsvermarktung, auf 700 Millionen Euro Umsatz zu.“

Man habe hier ein eigenes Klub-TV. Zusammen mit Dortmund und Schalke macht Bayern knapp 40 Prozent des Erstliga-Umsatzes von 3,81 Milliarden Euro aus. Rummenigge hofft, so wie andere Klubgewaltige, auf Netflix, Facebook und Apple.

Vor allem aber auf Amazon – Konzerngründer Jeff Bezos spielt in den Zukunftsprojektionen den Erlöser, der Fußball als Marketing-Feuerwerk brauche. Amazon hält zwar bereits Bundesliga-Radiorechte, stieg aber im vorigen Jahr in England aus dem großen Wettbieten aus.

Wirtschaftsfaktor Fußball: Die Lage der Branche in der Finanzkrise 2009

In der Studie „Strategie 2030 – Wirtschaftsfaktor Fußball“ stellt das HWWI 2009 fest: Der professionelle Fußball habe sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, erklärte Professor Henning Vöpel damals. Das Gesamtvolumen des europäischen Fußballmarktes belaufe sich 2009 auf rund 15 Milliarden Euro. In der Fußball-Bundesliga stamme mehr als die Hälfte der Erlöse aus dem Verkauf von Medienrechten und aus Sponsoringerlösen. Dies belege, welchen ökonomischen, aber auch welchen gesellschaftlichen Stellenwert der Fußball einnehme. Zudem werde dem Fußball von allen Marktbeobachtern weiteres Wachstumspotenzial bescheinigt.

„Ein Blick zurück zeigt, dass sich das Spiel als solches in den letzten Jahrzehnten nur unwesentlich verändert hat. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen – insbesondere in den vergangenen 25 Jahren – erheblich gewandelt. Dies gilt für die wirtschaftliche Entwicklung, aber auch für den politischen und rechtlichen Rahmen.“

„So führte das sogenannte Bosman-Urteil dazu, dass die zuvor bestehende Ausländerbeschränkung fiel. Heute können Bundesligisten ihre Spiele deshalb prinzipiell ohne einen einzigen deutschen Spieler bestreiten. Auch die Rechtsform der Bundesligisten hat sich verändert: Aus Vereinen wurden meist Kapitalgesellschaften, in einem Fall sogar börsennotiert.“

„Insgesamt wird die wirtschaftliche Bedeutung des Profifußballs weiter steigen. Damit wird der Fußballmarkt – aber auch der Sportmarkt insgesamt – zunehmend interessant für Kapitalanleger. Noch sind die Möglichkeiten, in den Fußballmarkt zu investieren, begrenzt oder  bei  bestimmten Anlageformen  wenig  attraktiv. Dies wird sich angesichts des hohen Wachstumspotenzials mittelfristig ändern.“

Der Chefökonom

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