Geldanlage Kunst: 15 schöne Tipps

Geldanlage Kunst: 15 schöne Tipps

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Geldanlage Kunst: Welche Risiken bringt die Corona-Krise mit sich? Worauf müssen Anleger achten? Wie kann die Kunstbranche digitalisiert werden? Exklusiv: Drei Antworten von zwei Vermögensverwaltern zur Kunstanlage in der Krise. Wenn Sie investieren möchten, finden Sie in unserem Shop einige Kunsteditionen.

Vermögensverwalter über Kunstanlage in der Krise

Werden Kunstinvestments durch die Corona-Krise attraktiver oder riskanter?

Markus Merkel: Sie werden riskanter. Der US-Ökonom John Exter hatte eine inversive Pyramide gängiger Vermögensklassen entwickelt, in der unsichere und volatile Vermögenswerte wie Kunst, Derivate oder unbesicherte Pensionsansprüche ganz oben stehen. Diese Vermögenswerte versprechen nur in Phasen mit hoher Liquidität und günstiger allgemeinwirtschaftlicher Entwicklung/Stimmungslage eine positive Wertentwicklung.

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In Krisenphasen, so wie derzeit, und bei eingeschränkter Liquidität bzw. zunehmendem Sicherheitsbedürfnis der Marktteilnehmer sinken also bei diesen volatilen Vermögenswerten die Bewertungen als Erstes.

Frank Pöllmann: Als CEO der FAIG AG kann ich nur für diese sprechen. Die FAIG AG erlebt seit Ende 2019 einen regelrechten Boom im Art Investment. Kunst korreliert nur minimal mit den Finanzmärkten und eignet sich daher in besonderer Weise zur Kapitalsicherung. Im Sinne der Diversifikation findet sich deshalb Kunst zunehmend in Vermögensallokationen.

Worauf sollten Anleger bei Kunstkäufen besonders achten?

Markus Merkel: Qualität der Materialien und der Ausführung, inwieweit das Objekt als typisch für den Künstler anzusehen ist, als wegweisend für sein Gesamtwerk gelten kann und letztlich als maßgeblich für die Fortentwicklung der Kunstgeschichte einzustufen ist. Gab es prominente Vorbesitzer oder wurde das Werk im Rahmen wichtiger Ausstellungen gezeigt?

Frank Pöllmann: Auch beim Kunstinvestment ist Diversifikation wichtig. Zudem sollten keine Unikate und keine Newcommer gekauft werden. Internationale Werke in kleine Editionen, wegen der Vergleichbarkeit in der Wertermittlung, sind zu bevorzugen. Und die Künstler müssen über einen langjährigen positiven Trackrecord an internationalen Märkten verfügen.

Welche Kunstform verspricht gute Wertsteigerungen?

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Markus Merkel: Mit Fotografie können auch bei mittlerem Budgets gute Preissteigerungen erzielt werden. Fotografie wird leider zu Unrecht als weniger kreatives Segment angesehen, obschon sie nicht weniger Sachverstand erfordert. Von Investments in Kunstfonds ist m.E. im übrigen abzuraten.

Frank Pöllmann: Post War Contemporary und zwar weltweit

Die Experten für die Geldanlage Kunst

DER CHEFÖKONOM hat über die V-Bank Vermögensverwaltern drei Fragen zum Thema Kunstanlage gestellt. Zwei Experten im Vermögensverwalter-Pool der V-Bank haben geantwortet.

Markus Merkel ist Certified European Financial Analyst (CEFA) und Kunsthistoriker M.A. sowie Leiter Mandate und Kooperationspartner bei der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbH

Frank Pöllmann ist Vorstand der Fine Art Invest Group AG mit Sitz in Baar, Schweiz.


Kunstmarkt in der Corona-Krise: Ungewisse Zukunft

Wegen der Corona-Pandemie bricht der Kunstmarkt zusammen, berichtet Stephanie Dieckvoss im Handelsblatt. Doch manche Schwächen deuteten sich bereits 2019 an. Drei neue Marktanalysen.

Die Krise erschüttert den Kunstmarkt. Künstlern fehlt wegen abgesagter Ausstellungen die Existenzgrundlage. Galerien versuchen demzufolge mehr recht als schlecht mit digitalen Ausstellungen Sammler zu Käufen zu verlocken. Eine Londoner Galerie rief eine Autorin an, um Werke mit bis zu 30 Prozent Rabatt feilzubieten. Guy Jennings, Direktor der Beratungsfirma Fine Art Group und erfahrener Auktionsveteran, erwartet einen „Frost“ von einigen Monaten, in denen keine Transaktionen stattfinden.

Drei Studien zum Kunstmarkt

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Im März erschienen drei Bewertungen des Kunstmarktjahres 2019, herausgegeben von der „Art Basel|UBS“, „Artprice“ und der „Tefaf“. Die Analysen zeigen ein Geschäftsfeld, das schon vor Corona nicht mehr gesund war.

Die Marktforschungsfirma Art Economics nimmt eine Gesamteinschätzung des globalen Marktes vor. Der Bericht beruht auf Resultaten von Umfragen im weltweiten Kunst- und Antiquitätenmarkt. Der globale Markt schrumpfte danach 2019. Mit 64,1 Milliarden Dollar Umsatz verkleinerte er sich um fünf Prozent. Clare McAndrew, Gründerin der Firma, spricht von der Anspannung im Markt.

Die Auktionshäuser mussten 2019 Einbußen von gleich 17 Prozent verdauen. Hier brach vor allem der extrem teure Bereich an der Spitze ein. Gleichwohl weiß Autorin und Datenanalystin Clare McAndrew selbst, dass ihr Bericht jetzt schon veraltet ist, wie sie in einem Telefoninterview mit dem Handelsblatt erläutert.

Das optimistische Gefühl, das vor allem Galerien noch Ende 2019 hatten, sei schnell verflogen. Galerien hätten in einem Markt, der jetzt schon unter Druck steht, kaum Kapazitäten, die Krise zu überdauern. „Ich denke, es wird Schließungen geben“, führt die Wirtschaftswissenschaftlerin aus.

Nie wurden mehr Kunstwerke versteigert. 2019 setzten die von Artprice ausgewerteten Auktionshäuser mit 550.000 Kunstobjekten 13,3 Milliarden Dollar um. Den Rückgang von 14 Prozent zum Vorjahr bewertet der Artprice Report nicht als Einbruch, sondern als Konsolidierung.

Ungeliebtes Online-Geschäft

„Online-only-Auktionen in höheren Preisbereichen, digitale Ausstellungsräume, Virtual-Reality-Präsentation – die kommerzielle Vermittlung wird einen Entwicklungsschritt sehen, der in Musikindustrie und Buchhandel schon vor 20 Jahren passiert ist“, prognostiziert Dirk Boll, Präsident bei Christie’s, den durch die Pandemie erzwungenen Innovationsschub. „Der 2020er-Report wird wohl für viele Jahre der letzte sein, der über einen Rückgang der online erzielten Umsätze berichten wird.“

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Clare McAndrew hingegen gibt sich skeptisch: „Käufer kaufen online, aber sie mögen es nicht. Wir sehen Veränderungen, die nicht von der Nachfrage, sondern vom Angebot gesteuert sind. Leute wollen Kunst real erleben und einen Sinn von Gemeinschaft entwickeln.“

Galerien in der Krise

Die Coronakrise bedroht vor allem die kleineren Galerien. Eine Pleitewelle ist zu erwarten, berichtet Sabine Spindler. Die Angst ist groß, dass Sammler ihr Budget für Kunstkäufe kürzen.

Die Anbieter befürchten für 2020 einen Umsatzrückgang von 30 bis 40 Prozent. Für das darauffolgende Jahr erwarten sie eine spürbare wirtschaftliche Delle, kein Zurück zum „business as usual“, wie eine Rundfrage des Handelsblatts bei zahlreichen Galeristen ergab.

„Nicht alle Galerien werden diese Durststrecke überleben“, sagt Birgit Maria Sturm, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG).

Wie überall in der Wirtschaft sind derzeit kleine Anbieter besonders stark bedroht. Laut einer Umfrage des Verbands erwirtschaften etwa 50 Prozent deutscher Galerien einen Umsatz von nur 50.000 bis 200.000 Euro im Jahr. Einnahmen von über 500.000 Euro erzielen 14 Prozent der Unternehmen.

Lebende Bilder sind ein Netz-Hit

In der Coronakrise rufen die Kunstsammlungen Menschen weltweit dazu auf, ihre Lieblingsbilder zu Hause nachzustellen. Die Ergebnisse machen auf Social-Media-Kanälen Furore, berichtet Barbara Kutscher.

Es war eine Holländerin, die ein Spiel aus dem 18. Jahrhundert wieder aufleben ließ. Mit drei simplen Haushaltsgegenständen sollen Menschen im Homeoffice ein Lieblingskunstwerk nachstellen und so ein modernes „Tableau Vivant“ erstellen. Anneloes Officiers stellte vor vier Wochen über den digitalen Fotodienst Instagram ausgewählte Fotos mit Vorlage auf ihrem Konto @tussenkunstenquarantaine ins Netz.

Die „lebenden Bilder“ wurden ein Riesenerfolg weltweit. „Als Leute ins Homeoffice umzogen, ging es richtig los, heute haben wir Beiträge aus der ganzen Welt“, erklärte die Holländerin in einem Instagram-Video. Ihre immer noch stündlich wachsende Zahl von Followern lag zuletzt, Mitte April, bei 197.000.

Vor allem Gemälde Alter Meister inspirieren, besonders populär sind Johannes Vermeers berühmtes „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ und Frida Kahlos Selbstporträts. Triumphierend häufig kommen Rollen Toilettenpapier zum Einsatz. Sie finden sich etwa zur riesigen Halskrause aufgefädelt, wie sie im 16. Jahrhundert getragen wurde. Das berühmte antike Kykladenidol eines sitzenden Harfenspielers inspirierte und wurde mithilfe eines Staubsaugerschlauchs aktualisiert.

Sehr schnell griffen zuerst das Rijksmuseum, dann auch das J. Paul Getty Museum und das Metropolitan Museum of Art das Phänomen auf und nutzen es, um ihre frei herunterzuladenden Sammlungen zu propagieren.

Das Bild zeigt eine Studie "Masterplan 2030", die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bert Rürup, dem Macher von DER CHEFÖKONOM, entstanden ist. Anzeige

„Unsere eigene Kampagne hatten wir schon vor Monaten gestartet. Auch sie zeigt Besucher, die Kunstwerke in unserem Museum nachstellen. Aber als wir das unglaubliche @tussenkunstenquarantine sahen, verbanden wir einfach beide Ideen zu #MetTwinning,“ sagt Claire Lanier, Senior Manager of Social Media dem Handelsblatt.

Viele Sammlungen profitieren von früheren Investitionen in ihre Internetpräsenz und die sozialen Medien, berichtet Sabine Spindler. So bleiben ihre Bestände auch unter dem Lockdown zugänglich.


Geldanlage Kunst: 15 Regeln für Investments

Auch in der Coronakrise verbinden erfahrene Kunstsammler Ästhetik mit Rendite. Chancen haben auch Einsteiger – diese 15 Regeln müssen sie dabei beachten. Ratschläge von Susanne Schreiber, der Kunst-Redakteurin des Handelsblatt.

Kunst kann seit Jahrhunderten vieles sein. Dekoration, Statusausweis, Quelle der Betrachtung und Freude oder Irritation der Sehgewohnheiten. Seit 50 Jahren gibt es nicht mehr den einen tonangebenden Stil und dessen Widersacher, sondern eine nahezu unüberschaubare Vielfalt von künstlerischen Haltungen und Techniken.

Als Leitfaden auf dem Weg zum Kunstwerk aus dem 20. und 21. Jahrhundert versteht sich der folgende Fragenkatalog. Er gilt auch in der Coronakrise. Denn Galerien sind nach Anmeldung besuchbar, fast alle Auktionen finden online statt.

Das Ziel – was will ich mit Geldanlage in Kunst erreichen?

Die Selbstbefragung steht für jenen Kunstkäufer am Anfang, der nicht nur zufällig wild zusammengekaufte Erinnerungsstücke besitzen möchte: Sollen Geschäfts- oder Privaträume geschmückt werden? Eher gefällig oder so, dass sich die eigene Zeit darin spiegelt? Wie viel Widerständigkeit der Kunst ist noch akzeptabel? Soll das Image der Wertbeständigkeit transportiert werden? Oder eher der Anklang an Avantgarde und die Ausrichtung an der Zukunft?

Die Stilfrage – Was eignet sich für Firmen?

Beliebt in Unternehmen sind die Klassiker der „Konkreten Kunst“. Das ist eine auf geometrischen Formen beruhende Stilrichtung, die auf geistige Inhalte verweist. Josef Albers, Rupprecht Geiger und die Schweizer Camille Glaeser und Karl Gerstner zählen zu den berühmten Konkreten. Aber auch unter den Kunstschaffenden von heute gibt es Spezialisten, die sich leidenschaftlich auf das Spiel von Materie, Raum und Farbe einlassen.

Susan Tauss etwa schafft Farbkontraste auf schwerem Büttenpaper, das sich förmlich in den Raum hineinbiegt. Im Eingangsbereich des Maschinenbauers Trumpf in Ditzingen hängt zum Beispiel ein Papierobjekt aus strahlendem Blau, eingefasst mit signalrotem Rand.

Thomas Kesseler ist bildender Künstler und zugleich Architekt. Ein Schwerpunkt seiner oft raumbezogenen Arbeiten sind in Altmeistertechnik realisierte Farbkonzepte. Für die besonders tiefe Leuchtkraft ganzer Wände verwendet Kesseler geriebene Pigmente.

Trotz Corona-Pandemie – Wo informiere ich mich?

Wer schon Künstlernamen kennt, die von Interesse sind, surft auf deren Homepages, um eine Geldanlage in Kunst zu finden. Darüber hinaus bieten viele private Galerien und öffentliche Museen neben dem Einblick in ihre Ausstellungen auch Filme über Künstler und vertiefendes Material an. Das Netz ist nicht nur während der Pandemie ein gutes Recherchetool.

Die Augenschule – Wo entdecke ich „mein“ Kunstwerk?

Wer noch sucht, was sein Herz höherschlagen lässt, gönnt sich ausgedehnte Besuche in öffentlichen und privaten Kunstinstitutionen samt deren Internetauftritten. Museen präsentieren in der Regel eher abgesicherte Positionen, auch bei der Kunst der Gegenwart.

Also nicht die ganz jungen, die gerade die Kunstakademie verlassen haben, sondern diejenigen, deren Werk sich schon seit etlichen Jahren in Einzel- und Gruppenausstellungen bewährt hat.

Gute Adressen sind etwa das Museum Brandhorst in München, die Berlinische Galerie und der Hamburger Bahnhof, beide in Berlin, das Museum Ludwig in Köln, die Schirn in Frankfurt und das Kunstmuseum in Stuttgart.

Die Quellen – Wer ist auf zeitgenössische Kunst spezialisiert?

Kunstvereine sind ein guter Ort, um junge Kunst kennen zu lernen. Was hier gezeigt wird, ist wagemutig, experimentell und noch keinesfalls so eingeführt, wie das Werk von bereits anerkannten Künstlern. Verkauft werden in Kunstvereinen allerdings nur Jahresgaben. Das sind Arbeiten in kleinen Auflagen oder Multiples zu überschaubaren Preisen für Vereinsmitglieder.

Wer aber Unikate nicht nur sehen, sondern auch erwerben will, sucht sich per Suchmaschine die Galerie des Künstlers. Galerien sind die beste Quelle, um zu sondieren, wie die aktuelle Kunst tickt. Hervorragend geeignet für ausgedehnte Erkundungsrunden sind die gemeinsamen Eröffnungen von mehreren Galerien in einem Stadtquartier.

Manchmal schließen sich ganze Wochenenden mit Sonntagsöffnungen an, etwa beim Start der Frankfurter Galerien im September oder den DC Open in Düsseldorf und Köln oder dem Gallery Weekend in Berlin.

Galerien für zeitgenössische Kunst vertreten oft mehrere Generationen von Künstlern, von lang eingeführten Stars zu hohen Preisen bis zu Neuentdeckungen, die noch für wenig Geld zu erstehen sind. Die Mischung minimiert das wirtschaftliche Risiko, wenn es um Geldanlage in Kunst geht.

Die Plattformen – Wo kann ich Angebot und Preise vergleichen?

Messen verschaffen dem Sammler, den Vertretern öffentlicher und privater Museen, aber auch den Kuratoren und Ausstellungsmachern von Kunstvereinen und ganz besonders dem jungen Sammler einen hervorragenden Überblick. Hier wird deutlich, wie das aktuelle Angebot aussieht, welche Trends und Themen die bildenden Künste verhandeln.

Zu den wichtigen Messen zählen die „Art Basel“, „Art Cologne“, „Fiac“ in Paris und „Frieze“ in London. Sie alle sollen wegen der Corona-Pandemie im Herbst stattfinden.

Messen sind auch deshalb für Einsteiger zu empfehlen, weil die Verkaufspreise oft an dem Schildchen neben dem Werk stehen. Dort ist auch verzeichnet, ob es sich um ein Unikat oder um ein im Preis etwas günstigeres Auflagenwerk oder Multiple handelt.

Ist der „Asking Price“ nicht angeschrieben, schlagen ihn Galeriemitarbeiter auf Anfrage in einer Preisliste nach. Über alle wichtigen Messen und ihre Aussteller berichtet der Kunstmarkt im Handelsblatt regelmäßig – immer freitags.

Die Sicherheit – Wie finde ich wertbeständige Kunst?

Kurz gesagt: Geduld und Vorsicht sind bei der Geldanlage in Kunst entscheidend. Ökonomisch sinnvoll ist es nicht, eine Arbeit des italienischen Künstlers Ugo Rondinone „günstig“ mal eben auf dem Parkplatz eines Tennisplatzes zu kaufen. Dieses einst von einem Sammler zum Laien mit einem starken Abschlag auf den Marktpreis gewechselte Werk entpuppte sich als Fälschung (s. u.).

Das kam heraus, als die Versicherung bei der Stammgalerie von Rondinone ein Echtheitszertifikat anfragte. Die Galerie Presenhuber in Zürich hatte besagtes Werk nie gehandelt und konnte es auch nicht in den von ihr geführten Unterlagen zum Œuvrekatalog nachweisen. Einen Echtheitsausweis erstellte sie natürlich nicht. Der günstige Kaufpreis von Sammler zu Einsteiger führte in diesem Fall zum Totalverlust.

Zwei Arten von Kunsthandel

Kenner unterscheiden im Kunsthandel zwei Arten: Primärgalerien und Sekundärmarkt. Erstere setzen sich intensiv für die Bekanntheit ihrer Schützlinge ein, sorgen für Ausstellungen in Institutionen und beziehen die Werke direkt aus dem Atelier.

Der Sekundärmarkt hingegen besteht aus Versteigerern und Galerien ohne Kontakt zum Atelier. Werke im Sekundärmarkt kommen aus Privatverkäufen oder Auktionen.

Um herauszufinden, ob es der Einsteiger bei der Geldanlage in Kunst mit einer Primärgalerie zu tun hat, kann der Interessierte ruhig nachfragen. „Kommunikation, nicht nur mit Künstlern, sondern auch mit Sammlern, ist ein wesentlicher Teil unseres Aufgabengebietes“, sagt Rosemarie Schwarzwälder von der Galerie nächst St. Stephan in Wien.

Sie fügt hinzu: „Auf der Homepage bezeichnet der Terminus ‚Künstler der Galerie‘ meist die direkte primäre Beziehung, im Gegenzug deutet ‚Arbeiten von …‘ oft auf Sekundärmarkt hin. Aber ich beobachte auch, dass sich diese traditionelle und klare Trennung in den letzten Jahren etwas verwischt und aufhebt.“

Tipp: Orientieren Sie sich bei lebenden Künstlern zunächst an deren Primärgalerien. Viele solcher Erstgalerien stellen auf jurierten Messen wie der Art Cologne, der Art Basel oder der Fiac aus.

Kaufen Sie auf Rechnung. Das hilft bei der Anpassung der Hausratversicherung und bei einem eventuellen späteren Verkauf. Schenken Sie Galerien Ihr Vertrauen, die einem Ehrencodex folgen. Die sind zum Beispiel im Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler, dem BDVG, organisiert.

Der Vergleich – Ein Gefühl für den richtigen Preis entwickeln

Sicherheit für das aufgerufene Preisniveau entsteht nicht, wenn man auf einem der Rundgänge durch die Kunstakademien in Düsseldorf, Berlin oder München den ausstellenden Nachwuchs als Erstes nach dem Preis fragt.

So mancher Jungkünstler ist so gewieft, dass er die als Zumutung empfundene Frage schon mal kontert. Und wissen möchte, welche anderen Künstler der unbedarfte Frager denn schon so in seiner Sammlung habe? Da fällt sofort auf, wer gar keine Ahnung hat.

Die Codes lernt, wer regelmäßig zu Ausstellungen geht und sich die Preislisten am Counter geben lässt. Hat sich der auserkorene Künstler bereits einen Namen gemacht, kann auch ein Blick auf Auktionsergebnisse eine Größenordnung zum Preisniveau geben.

Der Marktwert – Wo kann ich Auktionsergebnisse nachsehen?

Am einfachsten lassen sich Auktionspreise mit einem Tagesabonnement auf einer der Kunstpreisdatenbanken von Artprice.com oder Artnet.com abfragen.

Der Berater – Wann ist er sinnvoll?

Grundsätzlich ist ein Art Consultant eine gute Investition, wenn das Objekt der Begierde sehr teuer und die Erfahrung des Käufers noch sehr klein ist. Wer über die entsprechenden finanziellen Mittel und einen Ankaufsetat von jährlich mindestens 50 000 Euro verfügt, kann sich in Galerien, Museen und Freundeskreisen von Museen eine Kunstberaterin empfehlen lassen. Es gibt kein Verzeichnis für diesen Beruf.

Das kleine Budget – Was sammeln?

Wer Kunst sucht, die nur Hunderte Euro oder wenige Tausend Euro kosten darf, hat zwei Möglichkeiten. Erstens bieten fast alle Galerien auch Kunst auf Papier von ihren Künstlern an.

Vervielfältigte Arbeiten, also Lithographien und Radierungen, Kupferstiche oder Plakate sind günstiger als einmalige Unikate wie Zeichnungen oder Gemälde. Auch die Preise von Jahresgaben der Kunstvereine rangieren in diesem Bereich.

Zweitens zahlt weniger, wer sich mit Stilrichtungen beschäftigt, die aktuell nicht so angesagt sind. Der antizyklisch agierende Sammler hält momentan Ausschau nach unterbewerteter Kunst mit religiösem Inhalt oder Bildern Alter Meister, deren Namen keiner mehr kennt. Fundgruben sind vor allem die Auktionshäuser. Sie stellen ihre Kataloge auch ins Netz.

Der Transport – Das Werk gleich mit nach Hause nehmen?

Auf Messen geben Galerien kleinere Werke verpackt und mit einem „Ausfuhrschein“ gleich mit. Bei sperrigen Arbeiten schlägt die Galerie den günstigsten Transport vor.

Das Netz – Ist das Internet eine Quelle für gute Kunst?

Ideal für den Einsteiger, um an Informationen zu kommen. Aber wer dort einkauft, sollte bereits viel Fachwissen haben, um sich vor Fälschungen zu schützen.

Die Fälschung – Wie schütze ich mich?

Wer in angesehenen Galerien und auf jurierten Messen auf Rechnung kauft, weiß, was er hat. Um „günstige“ Gelegenheiten zu prüfen, brauchen Sammler solide Sachkenntnis. So viel Erfahrung haben Einsteiger zu Anfang meist nicht.

Der Rabatt – Kann ich den Preis herunterhandeln?

Wer auf einer Messe eine bereits gerahmte Zeichnung für 2 000 Euro noch herunterhandeln möchte, wird vom Galeristen nicht ernst genommen werden. Bei höheren Werten allenfalls beim zugeraunten Preis nachfragen: Welche Währung? Mit oder ohne Mehrwertsteuer? Anlieferung möglich?

Bei großen und teuren Arbeiten aber bekommen regelmäßige Käufer durchaus einen kleinen Rabatt eingeräumt. Den teilen sich Künstler und Galerist. Denn solche Sammler sind durch ihr regelmäßiges finanzielles Engagement echte Kunstfreunde, wenn nicht gar Mäzene. Nur die werden verwöhnt.


Digitalisierung der Kunstbranche: Online ist verpönt

Die Misere der Kunstbranche beim Thema Digitalisierung ist selbst gemacht. Online-Geschäfte und Aktivitäten sind verpönt, obwohl Kreative in anderen Branchen gut damit verdienen. Das stellt Joerg Schnurre fest, Gründer von pinkwhy. Das Kunstverlag-Startup lizensiert Kunstwerke, vor allem für die digitale Nutzung, und befindet sich derzeit in einer Insolvenz.

Exklusive Denkglocke

Streamingdienste sind gefragter denn je. Die Kreativschaffenden verdienen über Tantieme und Gagen daran. Anders verhält es sich jedoch mit der Kunstbranche. Online findet zwar statt, ist aber nach wie vor verpönt.

Schuld sind die Galeristen und Kunsthändler, oft in Personalunion, welche seit Jahrzehnten mit einer exklusive Denkglocke die Branche vehement abschirmen und zu ihren Gunsten ausrichten. Alle jene die dabei sein wollen, also Künstler, Journalisten, Käufer halten sich brav an die Regeln und Denkkorridore. Dabei sein ist alles. Bei den Reichen und Schönen. Auch auf die Welt außerhalb der Glocke wirkt sich dies aus.

Wer das System hinterfragt oder gar radikale Änderungsvorschläge einbringt, wird von den etablierten Kunstmagazinen und Feuilletons gekonnt überhört. Alle hängen an den Lippen der Kunsthändler und Galeristen. Gerade in der jetzigen Situation plädiert die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung jedoch, neue digitale Formate auszuprobieren und diese verstärkt zu fördern.

Wo aber findet ein Diskurs zu neuen Ideen aktuell statt? Ein Vergleich zu anderen Kreativbranchen zeigt die unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Wer lässt heute noch eine Musikband für sich privat spielen und wer kauft ein Mastertape von einem Song oder ein Manuskript von einem Buch? Der Besitz eines solchen bedeutet jedoch noch lange keine Exklusivität. Ausnahmen wie die einmalig kopierte Version des „Once upon a time in Shaolin“ von der Hip-Hop Band Wu-Tang-Clan bestätigen die Regel. Dabei karikiert das Vorgehen der Band die absurde Geschäftspraxis der Kunstbranche.

Kunstverkäufer verweigern sich technischen Entwicklungen

Seit gut Einhundert Jahren wird Musik reproduziert, Bücher sogar noch länger. Damit haben sich die Einnahmequellen diversifiziert. Der nächste Innovationsschub setzte zum Ende des letzten Jahrtausends mit der Digitalisierung ein. Musik wird nicht mehr als Platte, Kassette, CD, sondern als Download oder Stream konsumiert. Und die Kunst? Sie hat sich den technischen Entwicklungen verweigert.

Der renommierte Kunstkritiker Robert Hughes hat diese Entwicklung bereits 1989 trefflich mit einer Analogie zur Literatur bemängelt: „Wenn es nur ein Exemplar von jedem Buch auf der Welt gäbe, das von Multimillionären und Investmentfonds umkämpft wird, was würde dann mit dem eigenen Sinn für Literatur geschehen – mit dem Gewebe seiner Bedeutungen, die einen gemeinsamen Diskurs aufrecht erhalten? Was der Tagebau für die Natur ist, ist der Kunstmarkt für die Kultur geworden.“

In Erinnerung wurde Hughes 2019 durch den Street-Artist Banksy gerufen, der sich im Zuge der Versteigerung seines Kunstwerkes „Devolved Parliament“ wünschte, das Kunstwerk lieber weiterhin selbst zu besitzen. Wie dann aber damit die täglichen Brötchen verdienen?

Kunstnutzer agieren digital

Zwei Gedanken, die nicht einmal unmöglich in der Umsetzung wären. Wer auf Kunstmessen und Vernissagen die Besucher beobachtet, entdeckt viele, die schnell ein Foto vom Kunstwerk mit Smartphone oder Tablett knipsen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von schlicht zu teuer für das eigene Budget, über Platzprobleme bis hin zum Wunsch, eine digitale Version vom Original als Hintergrundmotiv zu haben. Der Künstler verdient daran leider bisher nichts. Auch erhält er keine Tantieme von den Social-Media-Plattformen, wo er seine Bilder doch bitte posten soll und de facto seine Rechte abtritt.

Und in der jetzigen Zeit, wo viele zu Hause die Zeit totschlagen müssen, wäre ein Kunstwerk auf dem TV-Screen auch eine gute Alternative, um die Raumatmosphäre der eigene Gefühlslage anzupassen und mit der gestreamten Musik zu einer Symbiose zu vereinen. Auch der neueste Trend nach virtuellen Hintergründen bietet Potenzial für digitalisierte Kunstwerke.

Lizensierung von Kunst hat einen Markt

Aber woher nehmen? Die Lösung könnte einfacher nicht sein: Lizensierung. Die Erwiderung von renommierten Kunsthändlern und ihren Claqueren lautet, jede Reproduktion sei zum einen Populismus und würde zum anderen den Wert des Originals mindern. Komisch, denn für Musik, Film, Literatur trifft genau das gegensätzliche zu. Angesagt ist, wer in den Top100 ganz oben ist. Auch so dürften die Monets, Picassos und Co´s nichts mehr Wert sein, aufgrund der vielen Postkarten und Poster.

Dabei zeigen sie, dass es neben dem Handel des Originals, noch ganz andere Zielgruppen gibt, die es zu bedienen gilt. Aber wer traut sich in Deutschland schon, solch einer Idee nicht nur inhaltlich zu zustimmen, sondern vor allem finanziell voranzubringen? Eigentlich fällt immer der Satz, man habe die Idee mit seinem Galeristen oder Sammler des Vertrauens besprochen, die nicht an den Lizensierungsansatz glauben.

Die Misere vom armen Künstler ist also in vielen Teilen hausgemacht. Es wird Zeit, dass sich dies ändert. Für die Künstler und die vielen Kunstliebhaber, die sich ein Original weder leisten können oder wollen und sowieso die digitale Version wesentlich lieber haben.

Joerg Schnurre, Gründer pinkwhy

pinkwhy ist ein Kunstverlag-Startup und lizensiert Kunstwerke, vor allem für die digitale Nutzung. Das Startup konnte von 2017-2019 über eine Förderung des Landes Sachsen-Anhalt eine Testphase erfolgreich durchführen. Das Unternehmen befindet sich in einer Insolvenz, da weitere Partner und B2B-Kunden aus der Hotellerie aufgrund der Corona-Krise jegliche Zusammenarbeit eingestellt haben.

Der Gründer Joerg Schnurre sieht in der Corona-Krise eine Bestätigung für den Nutzen seiner Geschäftsidee und vermarktet die rund 300 digitalisieren Kunstwerke aktuell im Direktvertrieb.

 

Thomas Schmitt

Thomas Schmitt

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